Vielblättrige Lupine, Stauden-Lupine, Wolfsbohne

(Lupinus polyphyllus Lindl.)

Blühende Lupinen
Blühende Lupinen© GettyImages.at/VIZLAND

Familie und Herkunft

Schmetterlingsblütler (Fabaceae), Westliches Nordamerika.

Einfuhr- und Einschleppungswege

In der 1. Hälfte des 19. Jhdts. nach Europa (England) als Zier- und Nutzpflanze eingeführt. 

Ausbreitungswege

Handel, Garten- und Landschaftsbau, Landwirtschaft, Imkerei, Jagd (Wildfutter), Verkehr, mit Samen und Wurzelausläufern versetzte Materialtransporte sowie (Boden)aushub,  Wind, Wildtiere (Fernausbreitung), unsachgemäße Entsorgung.

Erkennungsmerkmale

Die Vielblättrige Lupine ist eine mehrjährige, bis zu 1 (1,5) m hohe Staude mit einer Pfahlwurzel. Ihr Stängel ist für gewöhnlich unverzweigt und anliegend behaart. Die Blätter sind lang gestielt, handförmig und bestehen aus 9 - 17 lanzettlichen Teilblättern. Die weißen, rosafarbenen, violetten oder blauen, schmetterlingsartigen Blüten stehen in einem traubigen, aufrechten Blütenstand. Die Pflanze blüht von Juni bis September. Die bohnenartigen Früchte sind leicht gekrümmt, behaart, 3 - 7 cm lang und bilden 4 - 12 eiförmige Samen aus.

Fingerförmiges BlattBlüte im DetailBehaarte Fruchtstände

Status in Österreich

Etabliert in allen Bundesländern.

Verbreitung in Europa

In Europa weit verbreitet.

Auswirkungen des Klimawandels

Die Vielblättrige Lupine besitzt eine sehr große Trockenheitsresistenz und auch Hitzephasen überdauert sie gut. Eine Förderung des Invasionsrisikos durch die Klimaerwärmung ist anzunehmen.

Biologie und Ökologie

Die Vielblättrige Lupine gedeiht auf mäßig feuchten, durchlässigen, kalkarmen Böden vom Tiefland bis zu einer Seehöhe von 2000 m. Sie ist eine sehr trockenresistente Pflanze. Ihre bevorzugten Lebensräume sind Böschungen, Kahlschläge, lichte Wälder, Hochstauden und Bergwiesen. Bedingt durch ihre Wurzelausläufer, die wiederum neue Pflanzen bilden, können sie rasch sehr konkurrenzfähige und dichte Bestände bilden. Jede Pflanze kann bis zu 2.000 Samen produzieren, die ihre Keimfähigkeit über mehrere Jahrzehnte, manche Autoren sprechen sogar von Jahrhunderten, beibehalten. Diese werden bei Trocknung der Früchte explosionsartig einige Meter von der Mutterpflanze weggeschleudert. Sie werden trotz ihrer Giftigkeit sehr gerne von Rehen gefressen, die sie weit entfernt wieder ausscheiden (Fernverbreitung).  An den Wurzeln, finden sich Knöllchenbakterien, die in Symbiose mit der Pflanze leben und Luftstickstoff binden können. Die Vielblättrige Lupine besitzt, wie viele andere invasive Arten, allelopathische Eigenschaften Es handelt sich dabei um pflanzeneigene, chemische Stoffe, die das Wachstum anderer Pflanzen unterbinden oder behindern.

Nichtblühender Bestand neben einem FortswegVerwilderte Lupinen auf einer Bergwiese

Negative ökologische Auswirkungen

Verwilderte Lupinen in einem Schutzgebiet
Verwilderte Lupinen in einem Schutzgebiet© G. Leitner

Dichte Bestände monopolisieren Raum, Nährstoffe und Licht, sodass andere Arten überwachsen werden und es zu einem Rückgang der Biodiversität kommt. Der Stickstoffeintrag bewirkt eine Vegetationsveränderung, sodass seltene Arten verschwinden. Von den oft bodensauren Böschungen der Verkehrswege, auf die sie zur Stabilisierung des Bodens zahlreich angesät wurden, wandern sie gerne in Magerrasen ein. Brutgebiete von Wiesenbrütern werden eingeschränkt.

Negative ökonomische Auswirkungen

Die Bitterstoffe der Lupine führen zu einer Minderung der Heuqualität. Dichte Bestände können die Wiesenpflege erschweren.

Positive ökonomische Auswirkungen

Die Art ist eine beliebte Zierpflanze und wird im Handel angeboten. Durch ihre bis zu 1,5 m in die Erde reichenden Wurzeln festigt sie den Boden. Ihre Knöllchenbakterien reichern den Boden mit Stickstoff an, sodass magere Standorte in stickstoffreiche umgewandelt werden. Die Pflanze wird deshalb auch gerne zur Gründüngung in der Landwirtschaft verwendet.

Negative gesundheitliche Auswirkungen

Die Blätter und Samen der Vielblättrigen Lupine sind giftig. Die Samen enthalten Bitterstoffe und u.a. Alkaloide, daher kann es beim Verzehr von größeren Mengen zu Vergiftungserscheinungen wie z.B. Erbrechen und Herzrhythmusstörungen kommen.

Managementmaßnahmen

Ziele der Maßnahmen:
Die Entstehung neuer Bestände verhindern und bestehende in ihrer Ausbreitung hemmen.

  • Öffentlichkeitsarbeit.
  • Verhinderung der (un)absichtlichen Ausbreitung.
  • Unbelastete nicht mit belasteten Böden mischen.
  • Nach jeder Bekämpfung ist eine mehrjährige Nachkontrolle notwendig, da sich ein keimfähiger Samenvorrat (Samenbank) im Boden befindet.
  • Gründliche Reinigung benutzter Geräte, Fahrzeuge, Kleidung und Schuhwerk.

Bekämpfungsmaßnahmen:

  • Im Garten die Fruchtstände abschneiden, um eine Samenbildung zu verhindern.

Einzelne Pflanzen

  • Ausreißen oder ausstechen und alle Rhizome entfernen.

Größere Bestände

  • Mahd während der Hauptblüte und nach ca. 2 Monaten wiederholen. Diese Maßnahmen sollten 3 - 5 Jahre durchgeführt werden. Später kann die Mahd auf 1x pro Jahr reduziert werden.
    Die Pflanzen treiben immer wieder aus und verlieren nur sehr langsam ihre Vitalität

Fazit: Um diese Pflanze unbedenklich bei der Gartengestaltung verwenden zu können, sollten ausschließlich sterile Sorten angepflanzt werden.

Entsorgung

Bio- und Restmülltonne zur Entsorgung des anfallenden Pflanzenabfalls
Bio- und Restmülltonne zur Entsorgung des anfallenden Pflanzenabfalls© A. Krapf
  • Bei Transporten von biogenem Material sind ausschließlich geschlossene Systeme zu verwenden, um einer weiteren Verbreitung entgegen zu wirken.
  • Mit keimfähigen Teilen belasteter Bodenaushub ist aus fachlicher Sicht auf eine behördlich genehmigte Deponie zu verbringen.
  • Das Verbrennen von biogenen und nicht biogenen Materialien außerhalb von genehmigten Anlagen ist gemäß Bundesluftreinhaltegesetz idgF verboten!

Private Flächen
Nicht blühende Pflanzen

  • Hausgartenkompostierung
  • Biotonne

Blühende/Fruchtende Pflanzen

  • Restmüll (sehr gut verpackt)

Öffentliche Flächen

  • Beauftragung durch ein befugtes Entsorgungsunternehmen.
    Weitere Verwertung in einer genehmigten Kompostier- oder entsprechend genehmigten Biogasanlage.

Ausnahmen: Land- und Forstwirtschaft

Fallen invasive gebietsfremde Arten im Rahmen eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebes an, dürfen sie im unmittelbaren Bereich eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebes einer zulässigen Verwendung zugeführt werden.

Wissenswertes

Die Gattung Lupine umfasst ca. 300 Arten. Im Gegensatz zur Vielblättrigen Lupine enthalten die Samen anderer Lupinen Arten jedoch kaum Giftstoffe und werden oftmals als Eiweißquelle für Mensch und Tier angepflanzt.

Verwechslungsmöglichkeit

Mit anderen Lupinen Arten.

Literaturauswahl

ESSL, F. & RABITSCH, W. (2002): Neobiota in Österreich.  - Umweltbundesamt, Wien, 432pp.
GRIEBL, N. (2018): Gärtnern ohne invasive Pflanzen. Problempflanzen und ihre heimischen Alternativen.  - Haupt Verlag, 256 pp.
KLEINBAUER, I. & al. (2010): Ausbreitungspotenzial ausgewählter neophytischer Gefäßpflanzen unter Klimawandel in Deutschland und Österreich. - BfN-Skripten 275: 1 - 74.
 https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/service/Dokumente/skripten/skript275.pdf (S 61).
KOWARIK, I. (2010): Biologische Invasionen. Neophyten und Neozoen in
Mitteleuropa. - 2. Auflage, Ulmer Verlag, 492pp.
NEHRING, S., KOWARIK, I., RABITSCH, W. & ESSL, F. (2013): Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wild lebende gebietsfremde Gefäßpflanzen. BfN-Skripten 352: 1-202.  https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/service/Dokumente/skripten/skript352.pdf (S 126-127).
STORL, W-D. (2014): Wandernde Pflanzen. - AT Verlag, 2. Auflage, 320 pp.
WEBER, E. (2013): Invasive Pflanzen der Schweiz. - Haupt Verlag, 224 pp.


 http://www.neophyt.ch/html/downloads.htm
 http://www.neophyt.ch/pdf/Ausstellung_Neophyten_BOGA.pdf
 https://www.infoflora.ch/de/assets/content/documents/neophyten/inva_lupi_pol_d.pdf
 https://www.korina.info/
 https://neobiota.bfn.de/handbuch/gefaesspflanzen/lupinus-polyphyllus.html

Letzte Aktualisierung

06.09.2021

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