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Was sind invasive gebietsfremde Arten?

Weltkarte mit den Ursprungskontinenten invasiver EU-gelisteter Arten, die in Österreich vorkommen © L. Pickenpack
Weltkarte mit den Ursprungskontinenten invasiver EU-gelisteter Arten, die in Österreich vorkommen
© L. Pickenpack

Als gebietsfremde Arten bezeichnet man Pflanzen, Tiere, Pilze und Mikroorganismen, die nach der Entdeckung Amerikas (1492) durch menschliches Einwirken über natürliche Barrieren, wie z. B. Ozeane oder Gebirge hinweg transportiert worden sind und sich außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes etabliert haben. Sie werden in der Fachsprache als Neobiota bezeichnet. Gebietsfremde Pflanzenarten nennt man Neophyten, gebietsfremde Tierarten Neozoen und gebietsfremde Pilze Neomyceten.

Seit Menschen angefangen haben Waren zwischen den Kontinenten auszutauschen, wurden Haustiere und Nutzpflanzen in ferne Länder befördert. Viele dieser Arten wurden absichtlich ‐ wegen ihrer Schönheit, Nützlichkeit oder wegen ihres kommerziellen Wertes - zu uns gebracht.

Andere Pflanzen, Tiere und Pilze gelangen unabsichtlich über Straße, Schiene, Luft und Wasser mit Waren, eingeschlossen in Transportmitteln oder Containern, in neue Regionen.

Die meisten gebietsfremden Pflanzenarten, die es nach Europa geschafft haben, stammen aus dem Gartenbau. Ihre Samen und Wurzelteile werden von Wind, Wasser, Luft oder durch Tiere sowie über unsachgemäße Entsorgung von Gartenabfällen verbreitet. Gebietsfremde Tiere sind oft aus der Haltung des Menschen entflohen oder wurden aus unterschiedlichen Motiven (z. B. Jagd, Fischerei) bewusst ausgesetzt.

Außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets kann ein Großteil dieser gebietsfremden Arten ohne die Hilfe des Menschen nicht überleben und stirbt. Einigen gelingt es dauerhaft Fuß zu fassen, sie passen sich der neuen Umgebung an und verhalten sich unauffällig.

Viele Neobiota sind etabliert und z. B. unverzichtbare Lebensmittel geworden (z. B. Kartoffel, Mais, Kürbis, Tomate), wachsen als beliebte Zierpflanzen in unseren Gärten und Parks (z. B. Krokus, Tulpe, Hortensie) oder werden inzwischen als Teil der heimischen Tierwelt angesehen (z. B. Fasan, Regenbogenforelle, Mufflon, Schwan).

Ein kleiner Teil von ihnen kann jedoch erhebliche ökologische, gesundheitliche oder wirtschaftliche Schäden verursachen. Im neuen Gebiet fehlen oftmals limitierende Faktoren (Räuber, Klima, Nahrungsmittelknappheit oder Konkurrenz mit anderen Arten), die normalerweise eine Regelungsfunktion ausüben, sodass sich diese rasch ausbreiten können. Solche Arten bezeichnet man als invasive gebietsfremde Arten (Invasive Alien Species = IAS).

Laut Schätzungen gibt es in Europa bereits über 12.000 Neobiota, in Österreich sind rund 2.000 gebietsfremde Arten bekannt, die rund 3 % der Gesamt-Artenzahl ausmachen. Man findet sie bei den Säugetieren, bis hin zu den Pflanzen und Pilzen, aber auch bei Bakterien und anderen Mikroorganismen.

Invasive gebietsfremde Arten haben sich an Land und im Wasser ausgebreitet und bedrohen weltweit die natürliche Artenvielfalt (Biodiversität). Ungefähr 10% der gebietsfremden Arten, die nach Europa gelangen, werden invasiv. Dies wird als die so genannte "Zehner-Regel" bezeichnet:

10 % der eingeführten oder eingeschleppten Arten halten sich unbeständig, wiederum 10 % davon etablieren sich dauerhaft in naturnahen Lebensräumen, wiederum ca. 10 % dieser eingebürgerten Arten können unerwünschte Auswirkungen und damit invasiven Charakter aufweisen. Das heißt von 1.000 eingeführten oder eingeschleppten Arten kommen demnach 100 unbeständig vor, 10 etablieren sich dauerhaft und nur eine Art (= 0,1% aller eingeführten oder eingeschleppten bzw. 10% aller etablierten gebietsfremden Arten) wird invasiv.  Haben sie sich etabliert, können sie nur schwer zurückgedrängt oder gar beseitigt werden. Ziel von Maßnahmen ist in erster Linie deren Ausbreitung zu verhindern.

Aber auch ohne den Menschen breiten sich Pflanzen und Tiere auf natürlichem Wege aus. Es steckt ihnen in den Genen, ihren Lebensraum zu erweitern, bis sie ihre natürlichen Grenzen erreicht haben (z. B. durch Temperatur oder Niederschlag). Manche Arten kommen schnell voran (z. B. Vögel), andere eher langsam (z. B. Pflanzen). Sie passen sich an neue Lebensbedingungen an oder verdrängen heimische Arten, bis ein neues ökologisches Gleichgewicht erreicht ist. Neue Arten, die durch natürliche Migration zu uns gelangen (z. B. auf Grund des Klimawandels), gelten nicht als gebietsfremd, da sie weder natürliche Barrieren überwunden haben, noch mit Hilfe von Menschen in ein neues Gebiet gebracht wurden. In diesem Fall handelt sich um einen natürlichen Prozess.

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