Sachalin-Staudenknöterich, Sachalin-Flügelknöterich

(Fallopia sachalinensis (F. Schmidt) Ronse Decr.)

Sachalin-Staudenknöterich Bestand
Sachalin-Staudenknöterich Bestand© A. Krapf

Familie und Herkunft

Knöterichgewächse (Polygonaceae), Ostasien, Russischer Ferner Osten.

Einfuhr- und Einschleppungswege

Der Sachalin-Staudenknöterich wurde in der 2. Hälfte des 19. Jhdts. als Zier- und Nutzpflanze nach Europa (England) gebracht. 

Ausbreitungswege

Handel, Garten- und Landschaftsbau, Jagd (Wildfutter), Kraftfahrzeuge, mit Rhizomen und Sprossteilen versetzter (Boden)aushub sowie Erdmaterial, Tiere (Fernausbreitung), Wasser, unsachgemäße Entsorgung.

Erkennungsmerkmale

Bestand des Sachalin-Knöterichs am Straßenrand
Bestand des Sachalin-Knöterichs am Straßenrand© A. Krapf

Die Art ist zweihäusig, das heißt, es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Diese sind mehrjährig und können eine Höhe bis zu 4 (5) m erreichen. Die Stängel sind kräftig, knotig gegliedert, hohl, jedoch nicht rot gesprenkelt wie beim japanischen Verwandten, sondern einheitlich grün. Die weichen, an der Unterseite (v. a. an der Mittelrippe) behaarten Blätter sind schmal eiförmig, mehr oder weniger spitz zulaufend und am Blattgrund normalerweise deutlich herzförmig. Die Blattform ist variabler als beim Japanischen Staudenknöterich. Die Blätter an den Hauptsprossen weisen eine Länge bis 40 cm auf und sind wesentlich größer als beim japanischen Verwandten. Die rispenartig verzweigten Blütenstände zeigen von Ende Juli bis Ende September zarte Blüten und erscheinen dichter als beim Japanischen Staudenknöterich. Die Früchte sind kleine geflügelte Nüsschen.

Status in Österreich

Etabliert in allen Bundesländern.

Verbreitung in Europa

In ganz Europa, bis auf den Mittelmeerraum weit verbreitet.

Auswirkungen des Klimawandels

Es wird angenommen, dass durch den Klimawandel das Invasionsrisiko gefördert wird.

Biologie und Ökologie

In seiner asiatischen Heimat wächst der Sachalin-Knöterich bis in eine Höhe von 1000 m. Der Verbreitungsschwerpunkt dieser Art liegt in Europa nach wie vor an Fließgewässern, jedoch werden auch andere Lebensräume wie z.B. Wald- und Wegränder sowie Ruderalstandorte besiedelt. Die Pflanze beansprucht sehr viel Licht und verlangt eine gute Nährstoff- sowie Wasserversorgung. Zu starke Trockenheit oder zu große Nässe schwächen ihre Vitalität.

Während der gesamten Vegetationsperiode erfolgt die Verbreitung über unterirdische Ausläufer (Rhizome). Aus bereits kleinsten Fragmenten von 1 - 1,5 cm können sich neue Pflanzen entwickeln. In 1 m³ Boden können bis zu 150 Rhizome vorkommen. Die oberirdischen verholzten Teile sterben im Herbst nach den ersten Frösten ab, bleiben liegen und bilden eine bis zu 50 cm dicke Schicht, die von keiner anderen Pflanze, auch keinen Gehölzen, im Frühjahr durchwachsen werden kann. Die unterirdischen Rhizome überdauern den Winter als Speicherorgane in einer Tiefe bis 2,5 m. Spätestens im April beginnt das Wachstum der oberirdischen Teile, die von Mai bis Juni in ihrer Hauptwachstumsphase bis zu 15 (30!) cm pro Tag wachsen können. Die unterirdischen „schlafenden" Knospen an den Rhizomen, die in einer Vielzahl vorhanden sind, können jederzeit zu neuen Pflanzen austreiben. Somit entsteht in kürzester Zeit ein dichter, dominanter Bestand. Die Verbreitung durch Samen ist zu vernachlässigen.

Negative ökologische Auswirkungen

Dominanzbestände verhindern durch die Wurzelkonkurrenz und Schattenbildung der Blätter jegliches Wachstum angestammter Arten. Der Sachalin-Knöterich stellt, da unattraktiv für für pflanzenfressende Insekten, so wie sein japansicher Verwandter, keinen Nahrungslebensraum dar.

Negative ökonomische Auswirkungen

Die in Sprossnähe bis zu 10 cm dicken Rhizome können Schäden an Infrastruktureinrichtungen verursachen und z.B. Gleisanlagen, Uferbefestigungen oder Dämme destabilisieren und zerstören. Schmalste Ritzen und sogar Asphalt können durchwachsen und durch das Dickenwachstum gesprengt werden. Für den Bahn,- Straßen- und Gewässererhaltungsdienst verursachen großflächige Bestände einen erhöhten Pflegeaufwand. Bei allen Staudenknöterich-Arten werden die Kosten für Managementmaßnahmen als hoch eingestuft.

Positive ökonomische Auswirkungen

Die Pflanze wird zur Honig Gewinnung herangezogen.
Die Art ist ebenso wie der Japanische Staudenknöterich schwermetalltolerant und wird deshalb zur Sanierung von kontaminierten Böden (z.B. Zink, Cadmium oder Blei) angepflanzt. Die Gifte werden von der Pflanze aufgenommen und abgebaut.

Negative gesundheitliche Auswirkungen

Keine bekannt.

Managementmaßnahmen

Ziele der Maßnahmen:
Die Entstehung neuer Bestände verhindern und bestehende in ihrer Ausbreitung hemmen. Die vollständige Beseitigung der weit verbreiteten Art ist in Österreich nicht möglich.

  • Öffentlichkeitsarbeit.
  • Verhinderung der (un)absichtlichen Ausbreitung.
  • Vermeidung offener Böden.
  • Unbelastete nicht mit belasteten Böden mischen.
  • Gründliche Reinigung benutzter Geräte, Fahrzeuge, Kleidung und Schuhwerk.
  • Nach jeder Bekämpfung ist eine mehrjährige Nachkontrolle notwendig, da meist noch Rhizomstücke im Boden verblieben sind.

Bekämpfungsmaßnahmen:

  • Der beste Zeitpunkt für Bekämpfungsmaßnahmen ist kurz vor der Blüte, da hier der Biomasseentzug am größten ist.

Einzelne Pflanzen

  • Ausreißen, ausgraben oder ausbaggern. Alle Rhizome, auch die kleinsten Stücke müssen von der Fläche entfernt und einer fachgerechten Entsorgung zugeführt werden.

Großflächige Bestände

  • Mahd zur Schwächung der Population, beginnend bei der Wuchshöhe von 40 cm 6 - 8 Mal pro Jahr. Diese Maßnahmen sind über mehrere Jahre zu wiederholen. Auch nach 3 Jahren sind noch 4 bis 6 Mahden pro Jahr notwendig!
  • Ausbaggern bei Bauvorhaben.
  • Abdecken mit starken, reißfesten, dunklen, lichtundurchlässigen Folien über Jahre hindurch. Es muss der gesamte Bestand inklusive einem zusätzlichen Streifen (mindestens 2 m) abgedeckt werden. Danach rasche Einsaat, um den Bestand weiter zu schwächen; eine vollkommene Eliminierung kann damit jedoch nicht erreicht werden.
  • Einbringen von 2- bis 3-jährigen Weidenstecklingen zeigt an Ufern hemmende Wirkung, da diese das An- und Aufwachsen des Staudenknöterichs durch die Schattenbildung be- und verhindern.
  • Eine Beweidung mit Schafen, Ziegen, Pferden oder Rindern schwächt den Bestand ebenfalls. Die Nachtriebe bilden kleinere und schwächere Blätter aus.
  • Der Einsatz von Herbiziden durch Injektion in die Markhöhle der unteren Stängel nach der Mahd des Knöterichs kann zum Erfolg führen. Entsprechende gesetzliche Bestimmungen und Anwendungshinweise sind einzuhalten!
    Der Einsatz ist in Gewässernähe verboten (Gewässerschutz­bestimmungen!).
    Anwendung nur bei trockenem Wetter und Windstille.
    Nachteil: Alle übrigen Pflanzen in der unmittelbaren Umgebung werden dadurch ebenfalls vernichtet!

Fazit: Das schnelle Wachstum und die Fähigkeit sich aus kleinsten Spross- und Rhizomteilen zu regenerieren, machen den Sachalin-Staudenknöterich zu einer kaum bekämpfbaren Art. Bis jetzt bekannte und ausprobierte Methoden können Staudenknöterich Arten nur schwächen bzw. ihre Ausbreitung verzögern.
Der große Ressourceneinsatz kann zu hohen Kosten führen. Vor geplanten Maßnahmen ist deshalb eine Kosten-Nutzen Analyse durchzuführen.

Entsorgung

Bio-und Restmülltonne zur Entsorgung des anfallenden Pflanzenabfalls
Bio-und Restmülltonne zur Entsorgung des anfallenden Pflanzenabfalls© A. Krapf
  • Bei Transporten von biogenem Material sind ausschließlich geschlossene Systeme zu verwenden, um einer weiteren Verbreitung entgegen zu wirken.
  • Mit keimfähigen Teilen belasteter Bodenaushub ist aus fachlicher Sicht auf eine behördlich genehmigte Deponie zu verbringen.
  • Das Verbrennen von biogenen und nicht biogenen Materialien außerhalb von genehmigten Anlagen ist gemäß Bundesluftreinhaltegesetz idgF verboten!

Private Flächen
Nicht blühende Pflanzen (nur oberirdische Teile, keine Ausläufer oder Wurzeln!)

  • Hausgartenkompostierung
  • Biotonne

Blühende Pflanzen

  • Restmüll (sehr gut verpackt)

Öffentliche Flächen

  • Beauftragung durch ein befugtes Entsorgungsunternehmen
    Weitere Verwertung in einer genehmigten Kompostier- oder entsprechend genehmigten Biogasanlage.

Ausnahmen: Land- und Forstwirtschaft

Fallen invasive gebietsfremde Arten im Rahmen eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebes an, dürfen sie im unmittelbaren Bereich eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebes einer zulässigen Verwendung zugeführt werden.

Wissenswertes

In Japan wird der Staudenknöterich als Gemüse angepflanzt, weil er zahlreiche Vitamine, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe wie Phosphor, Eisen, Vitamin C, Kalium Kupfer, Resveratrol u.a. enthält. Junge Triebe werden z.B. als Kompott wie Rhabarber, mit dem er verwandt ist, verzehrt. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird die Wurzel des Sachalin-Knöterichs zu Heilzwecken verwendet (großes Potenzial in der Heilkunde).
In Deutschland wird eine Züchtung vom Sachalin Staudenknöterich, das sogenannte „Igniscum" zur Energiegewinnung angepflanzt.
Rezepte:
 https://www.ecowoman.de/haus-garten/garten/knoeterich-rezepte-das-unkraut-essen-statt-vernichten-zb-als-knoeterich-senf-5467
 https://www.kostbarenatur.net/anwendung-und-inhaltsstoffe/japanischer-knoeterich/
 https://www.gartenjournal.net/knoeterich-essen
 https://www.youtube.com/watch?v=e5xNzok7rTM
 https://www.umweltberatung.at/japanischer-staudenknoeterich-wer-wuchert-wird-verspeist

Verwechslungsmöglichkeit

Mit den beiden anderen beschriebenen Knöterich-Arten Böhmischer und Japanischer Staudenknöterich.

Links: Sachalin-Knöterich, Mitte: Böhmischer Staudenknöterich, Rechts: Japanischer Staudenknöterich

Literaturauswahl

ESSL, F. & RABITSCH, W. (2002): Neobiota in Österreich.  - Umweltbundesamt, Wien, 432pp.
GRIEBL, N. (2018): Gärtnern ohne invasive Pflanzen. Problempflanzen und ihre heimischen Alternativen.  - Haupt Verlag, 256 pp.
KLEINBAUER, I. & al. (2010): Ausbreitungspotenzial ausgewählter neophytischer Gefäßpflanzen unter Klimawandel in Deutschland und Österreich. - BfN-Skripten 275: 1 - 74.
 https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/service/Dokumente/skripten/skript275.pdf (S 56).
KOWARIK, I. (2010): Biologische Invasionen. Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa. - 2. Auflage, Ulmer Verlag, 492pp.
NEHRING, S., KOWARIK, I., RABITSCH, W. & ESSL, F. (2013): Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wild lebende gebietsfremde Gefäßpflanzen. BfN-Skripten 352: 1-202.  https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/service/Dokumente/skripten/skript352.pdf (S 94-95).
STORL, W-D. (2014): Wandernde Pflanzen. - AT Verlag, 2. Auflage, 320 pp.
WEBER, E. (2013): Invasive Pflanzen der Schweiz. - Haupt Verlag, 224 pp.


 https://www.korina.info/
 https://www.infoflora.ch/de/assets/content/documents/neophyten/inva_reyn_jap_d.pdf
 https://www.oewav.at/Downloads/Neophyten
 https://www.bundesforste.at/uploads/publikationen/Folder_Neophyten_130x220_Auflage2_screen.pdf
 http://www.neophyt.ch/html/downloads.htm
 https://www.zbg.ch/pdf_bestimmung/Japanknoeterich.pdf
https://www.gov.uk/government/publications/japanese-knotweed-managing-on-development-siteshttps://www.neobiota-austria.at/fileadmin/inhalte/neobiota/pdf/OBB-Folder_Neophyten.pdf

 

Letzte Aktualisierung

13.04.2022

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