Spanische Wegschnecke

(Arion vulgaris)

Spanische Wegschnecke
Spanische Wegschnecke© GettyImages.at/

Familie und Herkunft

Wegschnecken (Arionidae)

Unterordnung der Landlungenschnecken, Südwesteuropa

Erkennungsmerkmale

Die Spanische Wegschnecke gehört zu den mittelgroßen bis großen Nacktschnecken. Sie erreicht im ausgewachsenen, geschlechtsreifen Zustand eine Körperlänge von etwa 7 - 15 cm. Geschlechtsreife Individuen sind, wie alle Landlungenschnecken, Zwitter (besitzen weibliche und männliche Geschlechtsorgane). Sie besitzt einen ovalen Mantel, der nur das vordere Drittel des Körpers einnimmt. Unter diesem sitzt in der vorderen Hälfte auf der rechten Seite das auffällige Pneumostom (Atemloch). Die Farben dieser Art sind sehr variabel und reichen von hellbraun, orange, dunkelbraun bis schwarz. Die Jungtiere sind kontrastreich gezeichnet. Äußerlich weißt sie große Ähnlichkeit zur Roten Wegschnecke (Arion rufus) auf, die von der Spanischen Wegschnecke fast vollständig verdrängt wurde. Verwechselungsmöglichkeiten bestehen auch zur Schwarzen Wegschnecke (Arion ater). Auch Hybride dieser drei Arten kommen vor, daher ist eine abgesicherte Bestimmung nur durch Spezialisten möglich.

Die Spanische Wegschnecke kommt überwiegend in landwirtschaftlichen Kulturen oder in Gärten vor, die beiden anderen Arten häufiger in Wäldern.

Ausgewachsenes Exemplar auf einem SteinSchwarze Variante der Spanischen WegschneckeSpanische Wegschnecken bei der Paarung

Status in Österreich

V T S K Stmk O N W B
C C E C E E E UN E
 
E = etabliert, C = unbeständig, EF = Einzelfund, UN = unbekannt, EX = erloschen, AG = ausgerottet

In Österreich wurde die Spanische Wegschnecke erstmals 1972 entdeckt. Allerdings dürfte sie schon wesentlich früher eingeschleppt und bis dahin übersehen worden sein.

Verbreitung in Europa

Die Art wurde in den 1950er Jahren in mehreren west- und zentraleuropäischen Ländern festgestellt. Seitdem erfolgt die Ausbreitung weiter nach Osten und nach Norden, Als Ausbreitungspfade kommen vor allem Pflanzen (Gemüse)- aber auch Erdtransporte in Frage. Die natürliche Ausbreitung beträgt bis zu 20 m pro Nacht. In Deutschland wurde sie erstmals 1969 gefunden, hat sich danach aber rasch in Süddeutschland verbreitet.

Auswirkungen des Klimawandels

Nacktschnecken benötigen ausreichend Feuchtigkeit. Daher unterliegen sie dem unmittelbaren Einfluss des Wetters. Milde Winter sind für das Wachstum der Population förderlich.

Biologie und Ökologie

Die Nahrung besteht meist aus saftigen Pflanzen und Aas. Sie wird wie bei vielen Schnecken mit einer Radula (Raspelzunge) zerkleinert und in den Schlund der Schnecke transportiert. Kannibalismus ist bei der Spanischen Wegschnecke häufig. Die runden, weißen Eier werden in verschiedenen Bodentiefen abgelegt.

Jungtiere bei der NahrungsaufnahmeSchneckeneier am Erdboden

Negative ökologische Auswirkungen

Verdrängung und Hybridisierung heimischer Schneckenarten.

Negative ökonomische Auswirkungen

Die Spanische Wegschnecke gilt als wirtschaftlich bedeutsamer Schädling in der Landwirtschaft und in Gärten, weil sie die Blattfläche der Pflanzen verringern und Saatgut und Keimlinge verzehren. Zudem wird der Wert des Ernteguts aufgrund von Fraßschäden, Schleimspuren oder der Anwesenheit von Schnecken bzw. des Schneckenkots auf den Pflanzen gemindert. Gezüchtete Nutzpflanzen werden stärker geschädigt, als Wildpflanzen, die über natürliche Abwehrmechanismen verfügen.

Positive ökonomische Auswirkungen

Auf mit Schwermetallen belasteten Böden nimmt die Spanische Wegschnecke große Mengen an Cadmium auf. Exemplare, die bei Braubach eingesammelt wurden, akkumulierten das Metall vornehmlich im Mitteldarm.

Negative gesundheitliche Auswirkungen

Keine bekannt

Managementmaßnahmen

Chemische Maßnahmen

Um Schnecken zu bekämpfen stehen verschiedene Präparate (Schneckenkorn) mit den Wirkstoffen Eisen-3-Phosphat, Metaldehyd und Methiocarb zur Verfügung. Auf Grund der Auswirkungen auf andere Arten sollte der Einsatz von Chemikalien die letzte Alternative sein.

Biologische Maßnahmen

Laufenten können zur Reduktion der Spanischen Wegschnecke beitragen. Aber auch Hühner, Igel, Frösche und Kröten fressen Schnecken, während Leuchtkäfer, Glühwürmchen und Laufkäfer die Eier der Schnecken fressen.

Landwirtschaft

In der Landwirtschaft kann durch verschiedene Maßnahmen der Schneckenbestand verringert werden. Dazu gehört das Walzen des Bodens nach der Aussaat, die Fruchtfolge (mit weniger attraktiven Pflanzen), das Einarbeiten der Ernterückstände weichblättriger Pflanzen und das Anlegen von Sperrflächen. Es gibt auch Versuche mit der Verwendung von Nematoden (Fadenwürmern).

Gärten

Für den Hausgarten gelten das nächtliche Einsammeln von Nacktschnecken bei höherer Feuchtigkeit, das Aufstellen von Bierfallen und der Schutz von Beeten durch Schneckenzäune als erfolgversprechende Maßnahmen.

Weitere Informationen

Heimische Tigerschnecke (Tigerschnegel)
Heimische Tigerschnecke (Tigerschnegel)© S. Krapf

Wegen der starken Absonderung eines bitteren Schleims wird die Spanische Wegschnecke von vielen natürlichen Feinden gemieden. Indische Laufenten, aber auch andere Hausentenrassen fressen dagegen Nacktschnecken. Es gibt inzwischen sogar die Möglichkeit Laufenten zu mieten. In verschiedenen Publikationen wird die These vertreten, dass die heimische Weinbergschnecke unter anderem die Gelege der Spanischen Wegschnecke frisst. Dies wird jedoch von anderen Autoren bestritten. Dagegen frisst der Tigerschnegel (Tigerschnecke) unter anderem die Spanische Nacktschnecke, sowie deren Gelege.

Letzte Aktualisierung

14.04.2020

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