Verschiedenblättriges Tausendblatt

(Myriophyllum heterophyllum Michaux)

Sprosse unter  und über Wasser
Sprosse unter und über Wasser© A. Krapf

Familie und Herkunft

Tausendblattgewächse (Haloragidaceae), O-Amerika.

Einfuhr- und Einschleppungswege

Das Verschiedenblättrige Tausendblatt wurde Ende des 19. Jhdts. nach Europa als Zierpflanze im Gartenbau und im Tierhandel (Aquaristik) eingeführt.

Ausbreitungswege

(Un)absichtliches Ausbringen in die freie Natur durch „Entsorgung" von Zierfischen, Aquarienpflanzen bzw. Aquarienzubehör, verdriften von vegetativen Teilen in Gewässersystemen, durch Boote, Wassersport- und Tauchausrüstung, Angelmaterialien, Wasservögel.

Erkennungsmerkmale

Oberirdische Sprosse mit winzigen Blüten
Oberirdische Sprosse mit winzigen Blüten© A. Krapf

Diese Art ist eine hauptsächlich untergetaucht lebende, immergrüne und ausdauernde Wasserpflanze, die Wuchslängen bis zu 250 cm aufweisen kann. Die untergetauchten Blätter sind gefiedert und bilden 4-5 zählige Quirle. Ihre Fiederblätter werden bis zu 5 cm lang. In den Sommermonaten ragen 10-15 cm lange Sprosse aus dem Wasser heraus. Die 3-5 mm breiten, dunkelgrünen Tragblätter stehen ebenfalls in 4-5 zähligen Quirlen, sind lanzettlich geformt, dicklich und glänzend. Sie tragen in ihren Achseln von Juni bis September kleine rote Blüten, die Blütenähren bilden.

Status in Österreich

Verbreitungskarte des Verschiedenblättrigen Tausendblatts
Verbreitungskarte des Verschiedenblättrigen Tausendblatts© Umweltbundesamt

Vorkommen in Kärnten und der Steiermark.

Verbreitung in Europa

Etabliert in Belgien, Frankreich, Deutschland, Ungarn, in den Niederlanden, Spanien und der Schweiz.

Auswirkungen des Klimawandels

Ein durch den Klimawandel einhergehender Temperaturanstieg, extreme Wetterereignisse oder Überflutungen könnten eine weitere Ausbreitung dieser Art begünstigen.

Biologie und Ökologie

Dichter Bestand in einem Altarm
Dichter Bestand in einem Altarm© A. Krapf

Diese Wasserpflanze besiedelt hauptsächlich stehende und langsam bis mäßig fließende, nährstoffreiche Gewässer. Die optimale Temperatur liegt bei ca. 20 °C. Sie ist an nährstoffreich(er)en, flachen Gewässern anzutreffen. Die vegetative Vermehrung erfolgt durch kleinste Sprossabschnitte.

Negative ökologische Auswirkungen

Dichte Matten auf der Wasseroberfläche
Dichte Matten auf der Wasseroberfläche© A. Krapf

Die Art kann durch ihre dichten Bestände heimische Pflanzen- und Fischarten verdrängen. Ihre an der Wasseroberfläche schwimmenden Matten wirken sich erheblich auf die Lichtverhältnisse und den Sauerstoffgehalt der besiedelten Gewässer aus. In den U.S.A. werden negative Auswirkungen auf Wasservögel vermutet.

Negative ökonomische Auswirkungen

Es kann zu Beeinträchtigungen der Funktion von Kanälen und zu Verlusten im Tourismus und der Wasserwirtschaft kommen. Die Preise von Immobilien, die an beeinträchtigten Gewässern stehen, sinken in den U.S.A. um 20-40%.

Positive ökonomische Auswirkungen

Die Art ist eine beliebte Aquarienpflanze. Seit ihrer EU-Listung, sind Handel, Tausch und Freisetzung in die Natur untersagt!

Negative gesundheitliche Auswirkungen

Keine.

Managementmaßnahmen

Ziele der Maßnahmen:
Die Entstehung neuer Bestände verhindern und bestehende in ihrer Ausbreitung hemmen.

  • Die Arten dieser Gattung sind oft schwierig zu unterscheiden. Es gibt in Österreich auch heimische Myriophyllum-Arten. Sowohl bei der Kontrolle im Handel als auch vor der Durchführung von Managementmaßnahmen ist eine Verifikation der korrekten Bestimmung durch Experten (gegebenenfalls auch durch molekulare Methoden) erforderlich.
  • Öffentlichkeitsarbeit. Als Vorbild kann die Aktion „Check-Clean-Dry" (GB Non-Native Species Secretariat 2017) dienen.
  • Keine exotischen Zierpflanzen für das Aquarium oder den Gartenteich verwenden, es gibt genügend heimische Wasserpflanzen als Ersatz, die ebenso attraktiv sind. Als Futter- oder Laichpflanzen sind gebietsfremde Wasserpflanzen für heimische Fisch- oder Krebsarten meist wertlos. 
  • Verhinderung der (un)absichtlichen Ausbreitung. Bitte darauf achten, dass kein Pflanzenmaterial aus einem Aquarium oder einem Gartenteich in die freie Natur gelangt!
  • Entnahme aus der Natur.
  • Gründliche Reinigung benutzter Geräte, Fahrzeuge, Kleidung und Schuhwerk.
  • Nach jeder Bekämpfung ist eine mehrjährige Nachkontrolle notwendig, um eventuell noch vorhandene Sprossteile zu entfernen.

Mechanische Entnahme
Der Einsatz von Mähbooten oder Baggern in größeren Gewässern wird kontrovers diskutiert. Die Bestände können dadurch meist nicht vollständig entfernt, aber deutlich reduziert werden. Um eine weitere Ausbreitung durch abgerissene Pflanzenteile während der Entnahme zu verhindern, wird der Einsatz von Sicherheitsnetzen oder vergleichbaren Einrichtungen empfohlen. Bei kleineren Gewässern bzw. lokalen Beständen, z.B. auch in Gartenteichen, ist das händische Entfernen der Pflanzen möglich, gegebenenfalls muss die Maßnahme über mehrere Jahre wiederholt werden (Schmiedel et al. 2015). Die Durchführung der Maßnahmen außerhalb der Vegetationsperiode wird empfohlen (Newman & Duenas 2017).
Hydro-Venturi-Verfahren
Bei dieser Methode werden die Pflanzen samt Wurzelwerk aus dem Sediment gespült und das auftreibende Pflanzenmaterial abgesammelt. Die Methode ist nur bei flachen (bis ca. 1,5 m) und entsprechend zugänglichen Gewässern anwendbar. Der Einsatz an Standorten in Deutschland und in den Niederlanden erbrachte gute Ergebnisse, in einem größeren Gewässer in Deutschland war die Methode weniger effizient (Newman & Duenas 2017).
Beschattung
Schattenspendende Bäume und Gebüsche entlang der Gewässerabschnitte zeigen Wirkung.
Ablassen von Gewässern
Nach der Trockenlegung des Gewässers können die Pflanzen entfernt werden. Das Sediment sollte völlig austrocknen (oder im Winter durchfrieren), da die Wurzeln im feuchten Boden überdauern können. Das Trockenlegen von Gewässern hat große Auswirkungen auf Nicht-Zielarten. Diese Maßnahme ist nur in besonders begründeten Einzelfällen nach sorgfältiger Abklärung durch eine Fachkraft und bei Vorliegen der erforderlichen behördlichen Bewilligungen vertretbar.
Chemische Bekämpfung
Der Einsatz von Herbiziden in der Nähe von Gewässern verboten (Gewässerschutzbestimmungen!).
Andere Maßnahmen
Die Vertiefung von Gewässern durch Sedimententnahme könnte möglichweise unter bestimmten Standortbedingungen eine Ansiedlung der Art hintanhalten (Schmiedel et al. 2015).

Entsorgung

  • Eine sorgfältige und möglichst wasserferne Entsorgung der Pflanzenreste ist notwendig.
  • Für Transporte des biogenen Materials sind geschlossene Systeme zu verwenden, um eine weitere Verbreitung zu unterbinden.
  • Die Entsorgung des Pflanzenmaterials ist gemäß geltenden Bestimmungen durchzuführen. Bitte kein Pflanzenmaterial in die Biotonne geben!
  • Die Nutzung des Materials zur Kompostierung oder Biogasproduktion ist unter Berücksichtigung von Auflagen (z.B. Sterilisieren des Komposts vor Ausbringung) zu bevorzugen.
  • Das Verbrennen von biogenen und nicht biogenen Materialien außerhalb von genehmigten Anlagen ist gemäß Bundesluftreinhaltegesetz idgF verboten!

Wissenswertes

Die Art wird in der Literatur erstmals Anfang der 1980er-Jahre für Österreich erwähnt. Sie bildet im Wasser, wie bereits beschrieben, sehr dichte Bestände und füllt die Oberfläche kleiner Gewässer fast vollständig aus. Ihre Blattform hängt von der Wassertemperatur ab. Bei kühlen Temperaturen (12-16 °C) entwickeln sich fiederteilige Laubblätter, bei Temperaturen von 20-25 °C ungeteilte, gezähnte Blätter.

Verwechslungsmöglichkeit

Die untergetauchten Blätter  ähneln jenen des heimischen Ähriges Tausenblatts (Myriophyllum spicatum) und besonders des Quirliges Tausendblatts (Myriophyllum verticillatum).

Literaturauswahl

ESSL, F. & RABITSCH, W. (2002): Neobiota in Österreich.  - Umweltbundesamt, Wien, 432pp.
GB Non-Native SPECIES SECRETARIAT (2017): Help stop the spread of invasive plants and animals in British waters.
 http://www.nonnativespecies.org/checkcleandry/
NEHRING, S., KOWARIK, I., RABITSCH, W. & ESSL, F. (2013): Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wild lebende gebietsfremde Gefäßpflanzen. BfN-Skripten 352: 1-202.
 https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/service/Dokumente/skripten/skript352.pdf (S 140-141).
NEWMAN, J. & DUENAS, M.A. (2017): Information on measures and related costs in relation to species included on the Union list:
Myriophyllum heterophyllum. Technical note prepared by IUCN for the European Commission: 18 S. https://circabc.europa.eu/sd/a/849981fd-7b48-4d83-9ebf-42680db51bd5/TSSR-2016003%20Myriophyllum%20heterophyllum.pdf
SCHMIEDEL, D. et al. (2015): Naturschutzfachliche Managementempfehlungen. Myriophyllum heterophyllum - Verschiedenblättriges Tausendblatt. In: BfN (Hrsg.) Management-Handbuch zum Umgang mit gebietsfremden Arten in Deutschland. Band 1: Pilze, Niedere Pflanzen und Gefäßpflanzen. Naturschutz und Biologische Vielfalt 141(1): 491-496.


 https://www.neobiota-austria.at/myriophyllum-heterophyllum

 https://www.korina.info/

 https://www.oewav.at/Downloads/Neophyten

Letzte Aktualisierung

03.11.2020

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