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Gewöhnliche Seidenpflanze, Syrische Seidenpflanze, Papageienpflanze

(Asclepias syriaca L.)

Dominanzbestand blühender Gewöhnlicher Seidenpflanzen © G. Leitner
Dominanzbestand blühender Gewöhnlicher Seidenpflanzen
© G. Leitner

Familie und Herkunft

Seidenpflanzengewächse (Asclepiadaceae), Nordamerika.

Einfuhr- und Einschleppungswege

Anfang des 17. Jhdts. wurde die Gewöhnliche Seidenpflanze als Zier- und Heilpflanze nach Europa gebracht.

Ausbreitungswege

Handel, Materialtransporte sowie  (Boden)aushub, Fahrzeuge, unsachgemäße Entsorgung, Gartenflüchtling, Wasser, Wind.

Erkennungsmerkmale

Bei dieser Art handelt es sich um eine bis zu 2 m hohe Staude, die einen am Grund verholzten, behaarten Stängel besitzt. Sie ist mit einer Pfahlwurzel in der Erde verankert und bildet Wurzelausläufer (Rhizome) aus. Die gegenständig angeordneten, breit lanzettlichen Blätter sind relativ derb, ganzrandig, unterseits dicht flaumig behaart und ca. 10-20 cm lang. Die langgestielten, von Juli bis August erscheinenden, nach Honig duftenden Blüten sind braunrot bis trübrosa gefärbt und bilden eine vielblütige Dolde. Die eigentlichen Kronblätter sind zurückgeschlagen und tragen heller gefärbte Nebenkronblätter.
Die grünen, weichdornigen, papageienähnlichen Früchte (10-15 cm lang, bis zu 3 cm breit) sind hornförmig gebogen und beinhalten bis zu 200 Samen pro Frucht. Diese sind mit langen, silbrig glänzenden Seidenhaaren, die als Flugorgane dienen, versehen. Die Pflanze enthält einen Milchsaft, der für die Gattung charakteristisch ist und bei Verletzungen austritt.

Bestand mit derben, großen BlätternKnospige BlütenständePapageienförmige, unreife FruchtständeEinzelblütenGeöffnete Früchte mit braunen Samen

Status in Österreich

Verbreitungskarte der Gewöhnlichen Seidenpflanze in Österreich © Umwleltbundesamt
Verbreitungskarte der Gewöhnlichen Seidenpflanze in Österreich
© Umwleltbundesamt

In allen Bundesländern etabliert mit Ausnahme von Vorarlberg. Die Etablierung in Tirol ist fragwürdig.

Verbreitung in Europa

In vielen europäischen Ländern weit verbreitet.

Auswirkungen des Klimawandels

Diese Art ist wärme- und trockenheitsliebend, die vermutlich aufgrund des Klimawandels (verlängerte Vegetationszeit, Temperaturanstieg, vermehrte Trockenperioden) einen Vorteil gewinnen wird. Es ist anzunehmen, dass das Invasionsrisiko der Art durch den Klimawandel gefördert wird.

Biologie und Ökologie

Es werden offene Lebensräume wie z.B. Verkehrswege und ruderale Böschungen, Weg- und Ackerränder, Brachen, Äcker sowie Sand- und Trockenrasen besiedelt. Aufgrund der großen, festen Blätter, kann die Pflanze auch Hitze und Trockenheit tolerieren. Die oberirdischen Teile vertrocknen im Winter, die unterirdischen überdauern jahrelang im Erdreich. Die Betäubung erfolgt auf interessante Weise: Bei der Nektarentnahme geraten Insekten mit ihren Beinen in das Innere der Blüte, das wie eine Klemmfalle fungiert. Die Bestäuber haken sich fest und bei ihrer Befreiung werden ihnen klebrige Pollenpakete (Pollinien) angeheftet, die dann zur nächsten Blüte transportiert werden. Die Öffnung der großen Früchte erfolgt beim Austrocknen, dabei werden zahlreiche Samen entlassen.

Honigbiene auf NahrungssucheFrüchte und Samen mit seidenhaarigen Flugorganen

Negative ökologische Auswirkungen

Die Gewöhnliche Seidenpflanze besitzt, durch rasche Bildung von dichten Beständen, ein starkes Verdrängungspotenzial gegenüber anderen Arten. Dies ist vor allem dann gegeben, wenn die Art in ökologisch wertvolle Habitate (z.B. Halbtrocken- oder Trockenrasen) eindringt. Außerdem sind negative Auswirkungen auf einzelne Bodenarthropoden (Spinnen, Tausendfüßer) belegt.

Negative ökonomische Auswirkungen

Durch Ertragsverluste (Agrarflächen, Wein- und Obstbau) können negative Auswirkungen in der Landwirtschaft entstehen, die zusätzlich mit Bekämpfungskosten durch Einsatz von Herbiziden verbunden sein können. Eine Beeinträchtigung von Nutztieren (Rinder, Schafe, Pferde) ist aufgrund der Giftigkeit möglich.

Positive ökonomische Auswirkungen

Blühende Pflanze mit Honigbienen und Kaisermantel © G. Leitner
Blühende Pflanze mit Honigbienen und Kaisermantel
© G. Leitner

Verwendung der Pflanze im Gartenbau, in der Imkerei, als Faserpflanze, für die Gewinnung von Kautschuk und als Heilpflanze. Seit sich die Art auf der EU-Liste befindet, ist jedoch jeglicher Handel, Tausch sowie Freisetzung in die Natur untersagt!

Negative gesundheitliche Auswirkungen

Der Milchsaft der Pflanze ist für den menschlichen Organismus und für viele Tiere giftig. Zudem kann er allergische Reaktionen und Kontaktdermatitis auslösen.

Managementmaßnahmen

Ziele der Maßnahmen:
Die vollständige Beseitigung kleinerer, isolierter Bestände durch mechanische Entnahme ist möglich und insbesondere in Schutzgebieten sowie ökologisch hochwertigen Flächen angebracht. Größere Bestände sind nur über längere Zeiträume und mit hohem Aufwand zu bekämpfen. Bestandsreduktionen dienen vorsorglich der Vermeidung der weiteren Ausbreitung.

  • Öffentlichkeitsarbeit.
  • Verhinderung der (un)absichtlichen Ausbreitung.
  • Vermeidung offener Böden.
  • Unbelastete nicht mit belasteten Böden mischen.
  • Gründliche Reinigung benutzter Geräte, Fahrzeuge, Kleidung und Schuhwerk.
  • Nach jeder Bekämpfung ist eine mehrjährige Nachkontrolle notwendig, da sich ein keimfähiger Samenvorrat (Samenbank) im Boden befindet und meist Teile der Rhizome im Boden verbleiben.

Bekämpfungsmaßnahmen:
Einzelpflanzen und kleine Bestände

  • Ausgraben, ausreißen. Es muss der gesamte Wurzelstock entfernt werden, da die Pflanze über die Wurzelausläufer immer wieder austreiben kann.

Dominanzbestände

  • Mahd mehrmalig, die Bestände werden dadurch jedoch nur dezimiert nicht eliminiert.
  • Pflügen im Winter exponiert Wurzelteile, die dadurch abfrieren können.
  • Maschinelle Entstockung vor der Fruchtreife über mehrere Jahre.
  • Chemische Bekämpfung.
    Davon wird aufgrund der möglichen Nebenwirkungen dringend abgeraten, da die Seidenpflanze für Bienenarten als Nektarquelle sehr attraktiv ist.
  • Die Seidenpflanze kommt häufig in und am Rand von Ackerflächen vor. Regelmäßiger Fruchtwechsel über mehrere Jahre kann langfristig dazu beitragen den Samennachschub in das Umland zu verhindern.
Bergwächter beim Ausgraben des WurzelstocksAusgegerabener Wurzelstock mit Ausläufern

Entsorgung

Bio- und Restmülltonne zur Entsorgung des Pflanzenabfalls © A. Krapf
Bio- und Restmülltonne zur Entsorgung des Pflanzenabfalls
© A. Krapf

Private Flächen
Nicht blühende Pflanzen

  • Hausgartenkompostierung
  • Biotonne
  • Thermische Verwertung

Blühende/Fruchtende Pflanzen

  • Restmüll (sehr gut verpackt)

Öffentliche Flächen

  • Beauftragung durch ein befugtes Entsorgungsunternehmen.
    Weitere Verwertung in einem genehmigten Kompostier- oder  
    entsprechend genehmigtem Biomasseheizwerk.

Ausnahmen
Land- und Forstwirtschaft
Fallen invasive gebietsfremde Arten im Rahmen eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebes an, dürfen sie im unmittelbaren Bereich eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebes einer zulässigen Verwendung zugeführt werden.

  • Bei Transporten von biogenem Material sind ausschließlich geschlossene Systeme zu verwenden, um einer weiteren Verbreitung entgegen zu wirken.
  • Kontaminierter Bodenaushub ist auf eine behördlich genehmigte Deponie zu verbringen.
  • Das Verbrennen von biogenen und nicht biogenen Materialien außerhalb von genehmigten Anlagen ist gemäß Bundesluftreinhaltegesetz idgF verboten!

Wissenswertes

Die Seidenpflanze spielte eine große Rolle in der Volksmedizin, was an dem Gattungsnamen (Asclepias) zu erkennen ist, der sich auf „Asclepios", den griechischen Gott für Heilkunst bezieht. Sie ist bei den Imkern als Trachtpflanze  sehr beliebt. In Europa gab es auch Versuche die Art als Faser- und Kautschukpflanze zu etablieren, denn aus den Stängeln werden hochwertige Fasern gewonnen.

Verwechslungsmöglichkeit

Keine

Literaturauswahl

ESSL, F. & RABITSCH, W. (2002): Neobiota in Österreich.  - Umweltbundesamt, Wien, 432pp.
GRIEBL, N. (2018): Gärtnern ohne invasive Pflanzen. Problempflanzen und ihre heimischen Alternativen.  - Haupt Verlag, 256 pp.
KLEINBAUER, I. & al. (2010): Ausbreitungspotenzial ausgewählter neophytischer Gefäßpflanzen unter Klimawandel in Deutschland und Österreich. - BfN-Skripten 275: 1 - 74.
Externe Verknüpfung https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/service/Dokumente/skripten/skript275.pdf (S 51).
NEHRING, S., KOWARIK, I., RABITSCH, W. & ESSL, F. (2013): Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wild lebende gebietsfremde Gefäßpflanzen. BfN-Skripten 352: 1-202. Externe Verknüpfung https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/service/Dokumente/skripten/skript352.pdf (S 54-55).
WEBER, E. (2013): Invasive Pflanzen der Schweiz. - Haupt Verlag, 224 pp.


Externe Verknüpfung https://www.neobiota-austria.at/ms/neobiota-austria/neobiota_recht/neobiota_steckbriefe/seidenpflanze/Externe Verknüpfung https://www.infoflora.ch/de/assets/content/documents/neophyten/inva_ascl_syr_d.pdfExterne Verknüpfung https://www.korina.info/
Externe Verknüpfung https://www.oewav.at/Downloads/NeophytenExterne Verknüpfung https://www.bundesforste.at/uploads/publikationen/Folder_Neophyten_130x220_Auflage2_screen.pdf

Letzte Aktualisierung

02.04.2020

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