Bastardindigo, Scheinindigo, Falscher Indigo (Amorpha fruticosa)

Blühender Strauch.
Blühender Strauch.© A. Krapf

Familie und Herkunft

Schmetterlingsblütler (Fabaceae); Nordamerika, Mexiko.

Einfuhr- und Einschleppungswege

Im frühen 18. Jhdt. wurde die Art als Zierpflanze und Bienenweide nach Europa eingeführt.

Ausbreitungswege

Auf dem Wasserweg durch schwimmfähige Teile, durch menschliche Aktivitäten wie z.B. Handel, verunreinigtes Erdmaterial, Materialtransporte sowie (Boden)aushub, Fahrzeuge, unsachgemäße Entsorgung.

Erkennungsmerkmale

Der Bastardindigo ist ein mehrjähriger, sommergrüner Strauch. Seine verholzenden Zweige weisen im Inneren bei älteren Exemplaren ein bräunliches Mark auf, jüngere Pflanzen besitzen ein weißes Mark. Die Sträucher werden mehrere Meter hoch und können glatt oder kurz behaart sein. Die Blätter sind unpaarig gefiedert mit bis zu 16 Paaren  ovaler, ganzrandiger und kurz gestielter Teilblättchen. Diese sind ebenso wie die Zweige kahl oder kurz behaart. An der Unterseite befinden sich verstreut Duftdrüsen. Die aufrechten, traubigen, dichten, bis zu 20 cm langen Blütenstände besitzen 4 - 6 mm lange braunviolette Blüten, deren Krone jeweils nur aus einem einzigen Blütenblatt besteht. Die für diese Familie charakteristischen Flügel und Schiffchen fehlen. Auffällig sind die aus der Krone herausragenden Staublätter mit den gelb-orangen Staubbeuteln. Die Blütezeit dauert, je nach Region, von April bis August. Die reifen, sichelförmigen Hülsenfrüchte sind braun, 6 - 9 mm lang und drüsig. Sie enthalten jeweils meist nur einen Samen.

Blütenstände.Aufgeschnittene Zweigteile.Unpaarig gefiederte Blätter.Reife Fruchtstände.Einzelne Früchte.Größenvergleich.

Status in Österreich

Die Art kommt vor allem in den östlichen Bundesländern (Burgenland, Niederösterreich, Wien) vor. Sie ist jedoch  zunehmend in allen übrigen Bundesländern, vor allem im Süden, verwildert anzutreffen.

Verbreitung in Europa

Spanien, Frankreich, Schweiz, Italien, Albanien, Serbien, Kroatien, Slowenien, Österreich, Tschechien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Estland.

Auswirkungen des Klimawandels

Bei einem Anstieg der Temperatur und somit Verlängerung der Vegetationszeit, wird sich die Anzahl der geeigneten Lebensräume für diese Art vermutlich erweitern, da sie äußerst resistent gegen Trockenheit ist.

Biologie und Ökologie

Diese Art verwilderte als Zierpflanze und verbreitete sich danach durch vegetative und generative Vermehrung sehr stark von selbst, auch in Ermangelung von Schädlingen oder Krankheiten. Sie gilt als eine der invasivsten Pflanzen in Europa. Der Bastardindigo ist eine Pionierpflanze und wächst sehr häufig auf von Menschen (anthropogen) veränderten Standorten. Man findet sie z.B. entlang der Ufer von Fließgewässern tieferer Lagen, in Flussauen, im Unterholz von Auenwäldern, in lichten Laubwäldern, Säumen, Graslandschaften, Küstenstränden sowie als beliebte Zierpflanze auch im Stadtgebiet und in Gärten. Bevorzugt werden feuchte Böden, doch sie toleriert ebenso trockene und sandige Böden. Der Bastardindigo wurde sehr häufig aufgrund seiner starken Durchwurzelung zur Sicherung erosionsgefährdeter Böden und auch als Windschutzhecke angepflanzt. Der robuste, winterharte Strauch erträgt Temperaturen bis - 25°, die Trockenheit des Mittelmeerklimas im Sommer wird gut vertragen.

Eine Regeneration aus Wurzel- und Triebstücken ist für die Pflanze kein Problem. Offene Böden bedingt durch wasser- oder straßenbauliche Maßnahmen werden rasch besiedelt, wenn diese danach nicht rasch wieder begrünt werden.

Der Bastardindigo produziert bis zu 500.000 Samen pro Pflanze. Die Samen des Strauchs sind einige Tage schwimmfähig.

Jungpflanzen entlang eines Forstweges.Junge Sträucher in einem lichten Mischwald.

Negative ökologische Auswirkungen

Der Bastardindigo verändert durch seine rasche vegetative Ausbreitung lokale Pflanzengesellschaften nachhaltig indem er heimische Pionierpflanzen sowie einjährige Arten verdrängt. Durch die Wurzelausläufer entsteht eine dichte, fast undurchdringliche Monokultur, die das Wachstum anderer Pflanzen durch Lichtentzug und chemische Stoffe, die vom Bastardindigo abgesondert werden (Allelopathie), unterbindet.

Die Art dringt in Uferbereiche und Auwälder ein, besonders nach menschlichem (anthropogenem) Einfluss. Sie stört auch das Ökosystem in diesen, indem sie das Aufkommen von standorttypischen Bäumen wie z.B. Weiden verhindert. Eine natürliche Regeneration im Auwald wird somit blockiert. Der Bastardindigo ist, wie die Robinie, die auch zur Familie der Schmetterlingsblütler (Fabacee) gehört, in der Lage in Symbiose mit Knöllchenbakterien Stickstoff zu produzieren.

Die Anreicherung des Bodens mit Stickstoff führt zu einer nachhaltigen Veränderung des gesamten Lebensraums. Spezialisierte und seltene Lebensgemeinschaften verschwinden und werden durch häufige, stickstoffliebende ersetzt.

Der blühende Strauch wird von Insekten stark besucht und konkurriert mit einheimischen Pflanzen um die Bestäubung.

Negative ökonomische Auswirkungen

Auswirkungen auf Erosions- und Sedimentationsprozesse sowie das Wasserregime entlang der Ufer können durch dichte Bestände des Bastardindigos hervorgerufen werden.

Positive ökonomische Auswirkungen

Der Bastardindigo ist eine beliebte Zierpflanze im Handel und wird gerne von Imkern als Bienenweide angepflanzt.

Negative gesundheitliche Auswirkungen

Keine bekannt.

Managementmaßnahmen

Ziele der Maßnahmen:

Die Entstehung neuer Bestände verhindern und bestehende in ihrer Ausbreitung hemmen.

  • Öffentlichkeitsarbeit.
  • Verhinderung der unabsichtlichen Ausbreitung, daher Maßnahmen VOR der Blüte setzen.
  • Unbelastete nicht mit belasteten Böden mischen.
  • Gründliche Reinigung benutzter Geräte, Fahrzeuge, Kleidung und Schuhwerk.
  • Vermeidung offener Böden durch Bepflanzung instandgesetzter Uferböschungen.
  • Nach jeder Bekämpfung ist eine mehrjährige Nachkontrolle notwendig, da häufig Samen und Pflanzenteile in der Erde verbleiben können.

 Bekämpfungsmaßnahmen:

  • Bei Zierpflanzen in Gärten nach der Blüte die Blütenstände abschneiden, um die Bildung von Samen zu verhindern und fachgerecht entsorgen.
  • Ausgraben oder Ausreißen der Wurzeln bei Jungpflanzen 1 - 2x/Jahr für 2 Jahre. 1 Jahr nach dem Eingriff Kontrolle.
  • Nachwachsende Jungpflanzen ausreißen.
  • Abtragen der obersten Bodenschicht und eine dichtwüchsige Samenmischung ausbringen.
  • Teilweises Ringeln kann bei großen, dickeren  Exemplaren zum Ziel führen.

Dazu schneidet man im Winter einen Rindenstreifen im unteren Bereich des Exemplares von 5 - 10 cm bis auf das Kernholz und belässt einen Steg mit ca. 10 % des Baumdurchmessers als Restbrücke. So wird der Saftstrom Großteils unterbrochen und der Transport der Assimilate zu den Wurzeln, bis auf den Steg, gestoppt. Durch das Vorhandensein dieses Steges reagiert die Art nicht mit Angsttrieben und kaum oder keinen Stockausschlägen, sondern es kommt zu einem Vitalitätsverlust. Im Folgejahr wird die Restbrücke inkl. Kallus entfernt. Nach 1 - 2 Jahren ist der Strauch abgestorben und kann entfernt werden.

  • Die Nachbehandlung von allfälligen Stockausschlägen ist notwendig.
  • Abschneiden oder Fällen bewirkt einen starken Stockausschlag sowie Förderung von Wurzelausläufern und ist zu vermeiden!
  • Mähen, Beweidung sowie das Häckseln und Pflügen beseitigt die Art nicht vollständig, da sie sich rasch wieder regeneriert.

Entsorgung

  • Bei Transporten von biogenem Material sind ausschließlich geschlossene Systeme zu verwenden, um einer weiteren Verbreitung entgegen zu wirken.
  • Kontaminierter Bodenaushub ist auf eine behördlich genehmigte Deponie zu verbringen.
  • Das Verbrennen von biogenen und nicht biogenen Materialien außerhalb von genehmigten Anlagen ist gemäß Bundesluftreinhaltegesetz idgF verboten!

 Private Flächen

Nicht blühende und blühende/fruchtende Pflanzen

  •  Restmüll (sehr gut verpackt), um einen Austrieb der vegetativ vermehrbaren Teile zu verhindern.

Öffentliche Flächen

  • Beauftragung durch ein befugtes Entsorgungsunternehmen.
  • Weitere Verwertung in einer genehmigten Kompostier- oder entsprechend genehmigten Biogasanlage.

 Ausnahmen: Land- und Forstwirtschaft

Fallen invasive gebietsfremde Arten im Rahmen eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebes an, dürfen sie im unmittelbaren Bereich eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebes einer zulässigen Verwendung zugeführt werden.

Wissenswertes

Der lateinische Name „Amorpha" bedeutet im Griechischen „Ohne die übliche Form". Das bezieht sich auf die untypische Blütenform innerhalb der Familie der Schmetterlingsblütler. Die Blätter und jungen Triebe wurden von den Siedlern Amerikas in Ermangelung des Indigostrauches (Indigofera tinctoria) zum Färben verwendet. Die Ureinwohner verwendeten die Früchte als Gewürz.

Verwechslungsmöglichkeit

Der Bastardindigo kann leicht mit jungen Robinien verwechselt werden. Im Gegensatz zum Bastardindigo haben Robinien jedoch Nebenblattdornen und deren Blütentrauben sind weiß und hängend.

Links Bastardindigo, rechts Robinie.Blütenstände der Robinie.

Literaturauswahl

GRIEBL, N. (2018): Gärtnern ohne invasive Pflanzen. Problempflanzen und ihre heimischen Alternativen. - Haupt Verlag, 256 pp.

LAPIN, K. et al. (2021): Comparing environmental impacts of alien plants, insects and pathogens in protected  riparian forests. - NeoBiota 69: 1-28.

WEBER, E. (2013): Invasive Pflanzen der Schweiz. - Haupt Verlag, 224 pp.

https://www.infoflora.ch/en/assets/content/documents/neophyten/inva_amor_fru_d.pdf

https://gd.eppo.int/taxon/AMHFR

https://www.cabi.org/ISC/datasheet/5001

https://de.wikipedia.org/wiki/Bastardindigo

https://www.verwaltung.steiermark.at/cms/beitrag/10787880/74837516/

Letzte Aktualisierung

15.11.2021

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