Waschbär

(Procyon lotor)

Waschbär schräg von hinten
Waschbär schräg von hinten© GettyImages.at/GlobaIP

Familie und Herkunft

Kleinbären (Procyonidae), Nord- und Mittelamerika.

Erkennungsmerkmale

Waschbär in einem Gewässer
Waschbär in einem Gewässer© GettyImages.at/eyfoto

Etwa fuchsgroß, Kopf-Rumpf-Länge 40 - 70 cm, Schwanzlänge 20 - 30 cm. Relativ kurzläufig, durch „Katzenbuckel". Schädel relativ breit mit markanter schwarzer-weißer Maske im Gesicht. Pelz langhaarig und dicht, überwiegend gelbgrau mit schwarz gemischt. Schwanz mit 4 - 7 (selten bis 10) dunklen Bändern, Sohlengänger.

Status in Österreich

Verbreitungskarte des Wachbären in Österreich
Verbreitungskarte des Wachbären in Österreich© Umweltbundesamt
V T S K Stmk O N W B
C C E C E E E UN E?
 
E = etabliert, C = unbeständig, EF = Einzelfund, UN = unbekannt, EX = erloschen, AG = ausgerottet

Der Waschbär ist vermutlich in den 1970er-Jahren aus Bayern nach Österreich eingewandert. Die Vorkommen wurden durch aus Pelzhaltungen entkommene Tiere ergänzt. Am häufigsten werden Waschbären in den Tieflagen von Niederösterreich und Oberösterreich gesichtet, im zentralen Alpenbereich dürfte sich die Art nicht dauerhaft halten können.
Verbreitung des Waschbären vor allem in den tieferen Lagen. In höheren Lagen der Alpen dürfte sich die Art nicht dauerhaft halten können. In der Steiermark wurde der Waschbär 2018 in 42 Revieren nachgewiesen, die Jagdstrecken sind noch sehr gering.

Verbreitung in Europa

Die Einführung nach Europa erfolgte absichtlich bereits im 19. Jahrhundert für zoologische Gärten und in den 1920er- und 1930er-Jahren für die Pelzzucht. Von dort absichtliche und unabsichtliche Freisetzung und anschließende Ausbreitung. In Mittel- und Ostdeutschland inzwischen sehr weit verbreitet. Jagdstrecke in Deutschland stark steigend; derzeit bei ca. 170.000 Stück/Jahr.

Auswirkungen des Klimawandels

Durch steigende Temperaturen ist die Erschließung weiterer Lebensräume (höhere Lagen) möglich.

Biologie und Ökologie

Waschbären sind sehr anpassungsfähig. Sie bevorzugen alte Wälder (insbesondere in Wassernähe) leben aber auch im Agrarland und in menschlichen Siedlungen. Sie sind dämmerungs- und nachtaktive Allesfresser. Sie klettern gerne auf Bäume, wo sie den Tag in Baumhöhlen verbringen. Weibchen werfen 1-mal im Jahr 2 bis 4 Junge, die nach 1 bis 2 Jahren geschlechtsreif werden. Der Aktionsradius der Art beträgt rund 5000 Hektar, junge Männchen können über größere Distanzen abwandern.

Negative ökologische Auswirkungen

Der sehr anpassungsfähige omnivore Waschbär frisst vor allem im Frühjahr Eier und Jungvögel, Fische, Amphibien und Reptilien, im Jahresverlauf auch Wirbellose, Früchte, Nüsse und Pflanzen. Lebensraumkonkurrenz mit Vögeln um deren Nistplätze wird vermutet; inwieweit Veränderungen der Nahrungsbeziehungen entstehen, ist unbekannt.

Ein negativer Einfluss auf geschützte seltene Arten wie die europäische Sumpfschildkröte und die Gelbbauchunke wurde nachgewiesen. Durch seine Lebensweise kommt es auch zu Verlusten bei Fledermäusen  und höhlen- sowie baumbrütenden Vögeln.

Negative ökonomische Auswirkungen

  • Landwirtschaft: Obst- und Weinbau
  • Tierzucht: z. B. Geflügelhaltungen
  • Bauwerke: Schäden an Fassaden und Dachböden, Kosten für Abwehrmaßnahmen,
  • Menschliche Siedlungen: Dreck und Lärmbelästigung, insbesondere wird der Inhalt von Mülltonnen auf Suche nach Nahrung verteilt.
Waschbär in einer Mülltonne

Positive ökonomische Auswirkungen

Grundsätzlich Tierzucht (Pelzhandel), diese spielt aber in Mitteleuropa keine Rolle mehr. Waschbären werden in Zoos und privaten Wildgehegen gehalten.

Negative gesundheitliche Auswirkungen

Der Waschbär kann die Tollwut und andere Krankheitserreger (z. B. Spulwürmer) übertragen.

Verwechselungsmöglichkeiten

Der Waschbär hat Ähnlichkeit mit dem ebenfalls gebietsfremden invasiven Marderhund, dessen Fell jedoch buschiger ist und der keinen gebänderten Schwanz und rundere Ohren hat.

Waschbär schräg von hintenMarderhund schräg von hinten

Managementmaßnahmen

Ziele der Maßnahmen

Obwohl der Waschbär in Österreich noch vereinzelt beobachtet wird, ist eine vollständige Beseitigung nicht mehr möglich. Die nachtaktive und versteckte Lebensweise erschwert Management- und Überwachungsmaßnahmen. Das Ziel der Maßnahmen ist eine Eindämmung der Vorkommen und die Verhinderung der weiteren Ausbreitung.

Allgemeine Aspekte

Der Waschbär gilt als „jagdbares Wild" im Sinne der Landesjagdgesetze aller Bundesländer, ausgenommen in Vorarlberg. Maßnahmen können gegebenenfalls legistische Anpassungen in den Bundesländern notwendig machen. In allen Bundesländern ist der Waschbär ganzjährig, ohne Schonzeit, jagdbar. Die Sammlung und Weitergabe der Abschussmeldungen an die zuständige Behörde zur Umsetzung der IAS-Verordnung sollte gewährleistet werden.

*§ 59(3) des Steiermärkischen Jagdgesetzes erlaubt folgende Ausnahme von der Ausschließlichkeit des Jagdrechts:

„Zum Schutz der Kleinhaustiere dürfen ... Waschbären ... in Häusern, Gehöften und Höfen von den Besitzerinnen/Besitzern oder ihren Beauftragten, auch wenn diese Personen nicht im Besitz einer Jagdkarte sind, ohne Bewilligung der/des Jagdausübungsberechtigten lebend gefangen oder mit einer Schusswaffe getötet werden, wobei die übrigen Bestimmungen des Jagdgesetzes einzuhalten sind. Das gefangene oder getötete Tier ist der/dem Jagdausübungsberechtigten zu übergeben."

Systematischer Abschuss

Der systematische Abschuss der Tiere wird empfohlen. Eine vollständige Beseitigung der Art ist durch diese Maßnahme - aufgrund des hohen Reproduktionspotenzials, der nächtlichen und verborgenen Lebensweise sowie des vermutlich regelmäßigen Zuwanderns aus Nachbarländern - jedoch nicht zu erwarten.

Lebendfang

Drahtkasten- und Holzkastenfallen können lokal erfolgreich eingesetzt werden, insbesondere an Futterplätzen. Der Betreuungsaufwand, um negative Auswirkungen auf Nicht-Zielarten zu vermeiden, ist jedoch hoch, und die Erfolgsaussichten bescheiden. Die Maßnahme wird nur bei hohen Bestandszahlen an Standorten, wo ein Abschuss nicht möglich ist, z. B. in Stadtnähe oder in Kleingartenanlagen, oder in naturschutzfachlich wertvollen Schutzgebieten empfohlen. In Nordamerika werden vor allem so genannte „Egg-traps" verwendet, bei denen die Tiere an ihren Pfoten gefangen, aber nicht verletzt werden. Die Methode gilt als tierfreundlich und effizient, sofern die Fallen überwacht und mind. alle 12 Stunden kontrolliert werden. Die lebend gefangenen Tiere können den rechtlichen Vorgaben entsprechend getötet werden. Eine Haltung in Auffangstationen wird nicht empfohlen.

Einrichten von Schutzvorrichtungen

Der Waschbär hält sich auf der Suche nach Nahrung und Schlafplätzen häufig auf Bäumen auf. Eine Ummantelung von Horstbäumen oder Bäumen mit größeren Höhlen (z. B. mit ca. 90 cm breiter Teichfolie in 2 m Höhe) kann eine effiziente Maßnahme gegen die Plünderung von Nestern und eine Besetzung von Greifvogel-Nistplätzen oder Fledermaus- Höhlen sein. Aufgrund der geringen Bestandszahlen des Waschbären in Österreich ist diese Maßnahme derzeit nicht erforderlich; in jedem Fall sind mögliche unerwünschte Nebeneffekte (z. B. das Kenntlichmachen von Greifvogel-Horstbäumen) zu bedenken. Lokal bedeutende Vorkommen von potenziellen Beutetieren können durch temporäre Einzäunungen oder vergleichbare Schutzvorrichtungen an Bäumen oder am Boden geschützt werden, z. B. für Bodenbrüter, Sumpfschildkrötengelege (insbesondere im Nationalpark Donauauen), Fisch- und Amphibienteiche, Fledermaushöhlen. Geflügelhaltungen und Fischteiche können mit Elektrozäunen vor Waschbären teilweise geschützt (Boggess 1994).

Weitere mögliche Maßnahmen

Die Verabreichung von Verhütungsmitteln per Futterköder könnte potenziell an Standorten, wo ein Abschuss nicht möglich ist, z. B. in Stadtnähe oder in Kleingartenanlagen, zum Einsatz kommen. Die Machbarkeit einer solchen Maßnahme erfordert jedoch noch weitere wissenschaftliche Untersuchungen, insbesondere was die Wirksamkeit und mögliche veterinärrechtliche Bestimmungen anlangt. Abgerichtete Jagdhunde sind effizient beim Aufspüren von Waschbären. 

Öffentlichkeitsarbeit

Maßnahmen zur Aufklärung der Folgen einer unabsichtlichen Ausbringung in die Natur auf lokaler und regionaler Ebene sind insbesondere für den Heimtierhandel erforderlich, da Waschbären gelegentlich als Haustiere gehalten werden.

Durch geeignete Maßnahmen ist die Bevölkerung darüber aufzuklären, dass Waschbären als invasive Art nicht gefördert werden dürfen. Insbesondere geht es dabei um die Vermeidung der gezielten oder unbeabsichtigten Fütterung der Tiere. Maßnahmen zur Aufklärung der Folgen einer unabsichtlichen Ausbringung in die Natur auf lokaler und regionaler Ebene sind insbesondere für den Heimtierhandel erforderlich, da Waschbären gelegentlich als Haustiere gehalten werden.

Forschung und Überwachung

Weitere Untersuchungen zur Verbreitung und die Überwachung der Populationsentwicklung in Österreich werden empfohlen, insbesondere in alpinen und inneralpinen Regionen, wo die Art derzeit noch nicht als etabliert gilt, um gegebenenfalls frühzeitig Bestandsregulierende Maßnahmen umzusetzen.

Literatur

AUSTIN, J. et al. (2004): An evaluation of EGG and wire cage traps for capturing raccoons. Wildl. Soc. Bull. 32: 351 - 356.

BOGESS, E.K. (1994): The Handbook: Prevention and Control of Wildlife Damage. Raccoons (Procyon lotor).

 http://digitalcommons.unl.edu/icwdmhandbook/40

HUBERT, G.F. et al. (1996): Evaluation of two restraining traps to capture raccoons. Wildl. Soc. Bull. 24: 699 - 708.

IUCN (2017): Information on non-lethal measures to eradicate or manage vertebrates included on the Union list. Technical note prepared by IUCN for the European Commission.
 https://circabc.europa.eu/sd/a/518231a9-abdd-47b1-b455-9d78a7e98f0e/Non-lethal%20measures.pdf  

SCHEIBNER, C. et al. (2015): Naturschutzfachliche Management-empfehlungen. Procyon lotor - Waschbär. In: BfN (Hrsg.) Management-Handbuch zum Umgang mit gebietsfremden Arten in Deutschland. Band 2: Wirbellose Tiere und Wirbeltiere. Naturschutz und Biologische Vielfalt 141(2): 589 - 597.

Letzte Aktualisierung

16.12.2019

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