Blaubandbärbling

(Pseudorasbora parva)

Blaubandbärbling in einem Aquarium
Blaubandbärbling in einem Aquarium© GettyImages.at/Martin Pelanek

Familie und Herkunft

Karpfenfische (Cyprinidae)

Ostasien; Das natürliche Verbreitungsgebiet umfasst die Fluss-Systeme des Amur, Yangtze, Huangho und einige japanische Inseln sowie Teile von Süd-Korea und Taiwan.

Erkennungsmerkmale

Der Blaubandbärbling ist 30 bis 110 mm groß und schlank. Seine großen Schuppen sind silbrig glänzend bis grau gefärbt und dunkel umrandet. Entlang der Körperseite verläuft ein schmaler, dunkler Längsstreifen, der ihm seinen Namen gegeben hat. Er hat ein kleines, oberständiges Maul, das auf seinen oberflächennahen Lebensraum im Gewässer hinweist.

Kleiner Schwarm von Blaubandbärblingen im Aquarium
Kleiner Schwarm von Blaubandbärblingen im Aquarium© GettyImages.at/Martin Pelanek
Blaubandbärbling mit Maßstab als Größenvergleich
Blaubandbärbling mit Maßstab als Größenvergleich© GettyImages.at/Thawatchai
Blaubandbärbling mit seitlichem dunklen Längsstreifen
Blaubandbärbling mit seitlichem dunklen Längsstreifen© GettyImages.at/wrangel

Status in Österreich

Verbreitungskarte des Blaubandbärblings in Österreich
Verbreitungskarte des Blaubandbärblings in Österreich© Umweltbundesamt
V T S K Stmk O N W B
C UN E E E E E E E
 
E = etabliert, C = unbeständig, EF = Einzelfund, UN = unbekannt, EX = erloschen, AG = ausgerottet


In Österreich ist der Blaubandbärbling seit 1982 bekannt und inzwischen in allen Bundesländern vertreten.

Verbreitung in Europa

Der Blaubandbärbling hat sich nach seiner unabsichtlichen Einschleppung nach Europa (Rumänien, Albanien) Anfang der 1960er-Jahre rasch ausgebreitet. Aktuell kommt er bis auf das nördliche Skandinavien und Irland in ganz Europa vor.

Auswirkungen des Klimawandels

Der Blaubandbärbling laicht bevorzugt in warmen Teichen ab, was darauf hinweist, dass eine weitere Ausbreitung durch den Klimawandel und wärmer werdende Gewässer begünstigt wird.

Biologie und Ökologie

Der Blaubandbärbling ist ein anpassungsfähiger Schwarmfisch, der sowohl stehende als auch Fließgewässer besiedelt. Auch mit eutrophierten Gewässern kommt er problemlos zurecht, bevorzugt jedoch tiefere Lagen mit sommerlicher Erwärmung und viel Pflanzenbewuchs. Er besitzt ein hohes Reproduktionspotential (3 Generationen/Jahr). Der  Laich ist klebrig und wird daher leicht (z.B. durch Wasservögel) in andere Gewässer verschleppt. Die Männchen betreiben Brutpflege und verteidigen die Gelege auch gegen größere Fische. Der Blaubandbärbling ernährt sich von Wirbelosen und dem Laich anderer Fischarten.

Negative ökologische Auswirkungen

Die reproduktionskräftige Art erreicht in kurzer Zeit große Bestandsdichten, die in der Folge zu Nahrungskonkurrenz mit heimischen Fischarten führen können. Direkte Auswirkungen durch Prädation von Zooplankton, Wirbellosen und Fischlaich sind dokumentiert, indirekte Folgewirkungen auf Nahrungsnetze und Sukzessionsabläufe wahrscheinlich. Die Angaben zur Bedeutung der Übertragung des Fischpathogens Sphaerothecum destruens  auf Salmoniden sind widersprüchlich.

Negative ökonomische Auswirkungen

Dichte Bestände führen zu verringerten Erträgen in Karpfenteichen, haben aber positive Auswirkungen in der Raubfischproduktion.

Positive ökonomische Auswirkungen

Im Zierhandel verfügbar, aber als Aquarienfisch von geringer Bedeutung. Als Futter- und Köderfisch erhältlich.

Negative gesundheitliche Auswirkungen

Keine bekannt

Managementmaßnahmen

Ziel der Maßnahmen

Die vollständige Beseitigung der weit verbreiteten Art in Österreich ist nicht möglich. Eine lokale Beseitigung oder Eindämmung isolierter Populationen erscheint möglich, insbesondere in naturschutzfachlich wertvollen, kleineren Stillgewässern. Jede Bestandsreduktion dient vorsorglich der Vermeidung der weiteren Ausbreitung.

Allgemeine Aspekte

Die Entnahme von Fischen unterliegt dem Fischereirecht. Für den Blaubandbärbling bestehen keine gesetzlichen Schonzeiten. Maßnahmen an und in Gewässern sind mit den Fischereiberechtigten bzw. Bewirtschaftern abzustimmen. Gefangene Tiere sollten entnommen und getötet bzw. fachgerecht entsorgt oder einer Nutzung als Futtertier zugeführt werden.

Lebendfang

Die systematische Entnahme von Tieren aus den Gewässern durch Lebendfang (Netze, Kescher, Elektrobefischung) ist nicht geeignet, um Bestände zu eliminieren. Eine begleitende Entnahme im Beifang im Zuge anderer Aktivitäten, z. B. FFH- oder WRRL-Monitoring, ist angebracht, auch wenn die Wirksamkeit der Maßnahme sehr gering ist.

Ablassen von Gewässern

Eine vollständige Beseitigung in einem Stillgewässer ist nur durch das Ablassen möglich. Diese Maßnahme ist nur in besonders begründeten Einzelfällen nach sorgfältiger Abklärung durch eine Fachkraft und bei Vorliegen der erforderlichen behördlichen Bewilligungen vertretbar. Sie kann nur in kleineren, ökologisch nicht oder wenig wertvollen Stillgewässern (z. B. in der Teichwirtschaft) und unter Berücksichtigung möglicher Auswirkungen auf Nicht-Zielarten eingesetzt werden. Nach der Trockenlegung können die Fische abgesammelt und einer Nutzung zugeführt werden (vgl. Punkt „Kommerzielle Nutzung").

Schulung und Kontrolle bei Besatzmaßnahmen

Stichprobenartige Kontrollen auf unabsichtliche Einbringung bei Besatzmaßnahmen, insbesondere bei Besatz mit Misch- oder Futterfischen. Die Durchführung der Kontrollen kann durch die Gewässerbewirtschafter in Kombination mit „Maßnahme Öffentlichkeitsarbeit" erfolgen.

Öffentlichkeitsarbeit

Maßnahmen zur Aufklärung der Folgen einer Ausbringung in die Natur auf lokaler und regionaler Ebene sind von großer Bedeutung. Diese Maßnahmen betreffen insbesondere relevante Nutzergruppen (Gewässerbewirtschaftung und Aquakultur, Angelfischerei, Aquaristik und Gartenteiche/Zierteiche).

Einsatz von Pisciziden

Das international am häufigsten eingesetzte Piscizid ist Rotenon. Dieses und auch andere „Fischbekämpfungsmittel" sind gemäß Biozidproduktegesetz in Österreich nicht zugelassen und kommen daher in Österreich nicht in Betracht. Deren Wirkung ist zudem nicht selektiv und für alle Fische im Gewässer tödlich.

Kommerzielle Nutzung

Die Nutzung gefangener und getöteter Tiere als Futtertiere in der Raubfischproduktion (vor allem Zander in Teichwirtschaft bzw. Aquakultur) oder auch zur Verfütterung an Zootiere ist prinzipiell möglich, solange die Tiere beim Transport oder aus der Haltung nicht entkommen können. Die Verwendung getöteter Tiere als Köderfische in der Angelfischerei ist möglich, diese dürfen aber keinesfalls lebend transportiert werden, um ein unbeabsichtigtes Entweichen in unbelastete Gewässer zu verhindern.

Andere Maßnahmen

Bauliche Maßnahmen (Barrieren) bei den Zu- und Abläufen von fischereiwirtschaftlich genutzten Teichen zur Verhinderung der Ausbreitung der Tiere, sofern angebracht und durchführbar.

Forschung und Überwachung

Überwachung bzw. Kontrolle in bisher nicht besiedelten Regionen oder Gewässerabschnitten ist aufgrund der bereits weiten Verbreitung der Art in Österreich nur eingeschränkt relevant. Die Entwicklung und Optimierung von eDNA-Methoden zur Identifikation von Vorkommen in Gewässern ist voranzutreiben.

Weitere Informationen

Eine Besonderheit der Blaubandbärblinge ist, dass sie Geräusche erzeugen können. Diese sind über einige Meter zu hörende, ein bis drei Sekunden lange, knackende Laute in schneller Abfolge. Vor allem nachts werden diese abgegeben. Wie und warum die Fische sie erzeugen, ist bisher nicht bekannt.

Verwechselungsmöglichkeiten

Verwechslungsmöglichkeiten bestehen mit dem heimischen Moderlieschen (Leucaspius delineatus), das auch als Zwerglaube bezeichnet wird. Durch die fehlende Schuppenumrandung wirkt das Moderlieschen in der Gesamterscheinung silberner als der Blaubandbärbling.

Literatur

IUCN (2017): Information on non-lethal measures to eradicate or manage vertebrates included on the Union list. Technical note prepared by IUCN for the European Commission.

 https://circabc.europa.eu/sd/a/518231a9-abdd-47b1-b455-9d78a7e98f0e/Nonlethal%20measures.pdf

SCHEIBNER, C. et al. (2015): Naturschutzfachliche Managementempfehlungen. Pseudorasbora parva - Blaubandbärbling. In: BfN (Hrsg.) Management-Handbuch zum Umgang mit gebietsfremden Arten in Deutschland. Band 2: Wirbellose Tiere und Wirbeltiere. Naturschutz und Biologische Vielfalt 141(2): 388-394.

Letzte Aktualisierung

19.05.2020

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