Amerikanischer Signalkrebs

(Pacifastacus leniusculus)

Amerikanischer Signalkrebs mit weißem Fleck am Scherenglied
Amerikanischer Signalkrebs mit weißem Fleck am Scherenglied© GettyImages.at/MikeLane45

Familie und Herkunft

Astacidae, Nordamerika, von der Westküste von Kanada (British Columbia) bis Oregon und Idaho. In Kalifornien ausgesetzt.

Erkennungsmerkmale

Signalkrebse werden 12 - 16 cm groß, manchmal auch größer. Der Körper ist glatt und braun gefärbt. Am Gelenk des Scherenfingers befindet sich meist ein (namensgebender) weißer Fleck, die Scherenunterseite ist rot gefärbt.

Amerikanischer Signalkrebs mit rot gefärbter ScherenunterseiteZahlreiche Amerikanische SignalkrebseAmerikanischer Signalkrebs mit Netz

Status in Österreich

Verbreitungskarte des Amerikanischen Signalkrebses in Österreich
Verbreitungskarte des Amerikanischen Signalkrebses in Österreich© Umweltbundesamt
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E = etabliert, C = unbeständig, EF = Einzelfund, UN = unbekannt, EX = erloschen, AG = ausgerottet


In Österreich aktuell weit verbreitet und in allen Bundesländern etabliert.

Verbreitung in Europa

Der ursprünglich aus dem westlichen Nordamerika stammende Signalkrebs wurde 1959 erstmals nach Europa (Schweden) importiert und in den folgenden Jahrzehnten wiederholt in Europa aus gastronomischen Motiven ausgesetzt.

Auswirkungen des Klimawandels

Modelle zeigen keine Förderung des Signalkrebses durch den Klimawandel.

Biologie und Ökologie

Der Krebs besiedelt kleine und große Fließ- und Stillgewässer von den Tieflagen bis in subalpine Höhenlagen. Weibchen legen bis zu 400 Eier, die Tiere werden nach 1 - 3 Jahren geschlechtsreif und leben bis zu 11 Jahre. Der Signalkrebs ist ein Allesfresser.

Negative ökologische Auswirkungen

Wie alle nordamerikanischen Flusskrebse überträgt der Signalkrebs den Erreger der Krebspest, den Eipilz Aphanomyces astaci, gegen den heimische Flusskrebsarten keine Abwehrmechanismen besitzen. Darüber hinaus besteht Nahrungs- und Lebensraumkonkurrenz mit heimischen Flusskrebsarten und Fischen, besonders juvenilen Salmoniden und benthischen Arten, sowie mit Amphibien und Wirbellosen, besonders Muscheln. Die omnivore Art kann durch Prädation bzw. Fraß direkte negative Auswirkungen auf Fischeier und Jungfische, aber auch auf Wasserpflanzen haben. Indirekte Auswirkungen auf Sedimentation, Wassertrübe, die Lebensraumstruktur, inkl. Laich- und Rückzugsgebiete sowie das Nahrungsnetz sind wahrscheinlich. Flusskrebse dienen auch als Reservoirwirte und Ausbreitungsvektoren für den Chytridpilz, der Amphibien befällt.

Negative ökonomische Auswirkungen

Die Krebspest vermindert oder verhindert die Teichbewirtschaftung mit heimischen Flusskrebsarten. Auswirkungen auf die Fischereibewirtschaftung durch Prädation der Fischeier und Jungfische, durch strukturelle Lebensraumveränderungen und Konkurrenz um Ressourcen sind möglich.

Positive ökonomische Auswirkungen

Die Art ist als Speisekrebs in der Gastronomie von Bedeutung und sie ist im Aquarienhandel verfügbar.

Negative gesundheitliche Auswirkungen

Es sind keine Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit bekannt.

Managementmaßnahmen

Ziele

Die vollständige Beseitigung der weit verbreiteten Art in Österreich ist nicht möglich. Eine lokale Beseitigung oder Eindämmung isolierter Populationen bzw. die Verhinderung der Ausbreitung und Besiedlung bisher Signalkrebsfreier Gewässerabschnitte, insbesondere in Schutzgebieten, erscheint mit gewissem Aufwand möglich. Der Verhinderung des Vordringens in Steinkrebs-Lebensräume sollte Priorität gegeben werden. Jede Bestandsreduktion kann der Vermeidung der weiteren Ausbreitung dienen, insbesondere in kleineren Gewässern und dazu beitragen negative Auswirkungen auf andere Arten zu minimieren.

Allgemeine Aspekte

Die Entnahme von Flusskrebsen unterliegt in den meisten Bundesländern dem Fischereirecht. Nicht heimische Flusskrebsarten haben in den meisten Bundesländern keine gesetzliche Schonzeit. Gemäß der Verordnung der Steiermärkischen Landesregierung vom 11. Dezember 2000 über die Schonzeiten und Mindestfanglängen von Wassertieren hat der Signalkrebs in der Steiermark keine Schonzeit. Eine Harmonisierung der gesetzlichen Bestimmungen ist anzustreben und kann gegebenenfalls legistische Anpassungen notwendig machen. Maßnahmen an und in Gewässern sind mit den mit den Fischereiberechtigten bzw. Bewirtschaftern abzustimmen. Gefangene Flusskrebse können den rechtlichen Vorgaben entsprechend genutzt oder getötet und fachgerecht entsorgt werden.

Lebendfang

Der Einsatz von Lebendfallen an stehenden und langsam fließenden Gewässern bekannter Vorkommen ist die am häufigsten angewandte Fangmethode. Beköderte Krebsteller (oben offene Drahtkörbe ohne Reusenfunktion) werden an einem geeigneten Platz ins Wasser gelassen und kurz darauf mit den gefangenen Tieren vorsichtig aus dem Wasser genommen. Krebsreusen (Korb-, Netz- oder Drahtgeflechte mit meist trichterförmigem Eingang, durch den die Tiere nicht wieder entkommen können) werden meist über Nacht ausgelegt und am nächsten Morgen entnommen. Reusen können in unterschiedlicher Weise modifiziert werden, um die Effektivität zu erhöhen (z. B. Köder, Größe des Eingangs, Leitnetze bzw. Leitstrukturen zum Eingang). Lebendfallen sind nicht selektiv und Auswirkungen auf Nicht-Zielarten möglich, bei regelmäßigen Kontrollen der Fallen aber gering. Auch durch aufwändiges, händisches Absammeln können Tiere entnommen werden. Lebendfallen sind in jedem Fall über einen längeren Zeitraum einzusetzen und können in der Folge auch dazu dienen, den Erfolg der Maßnahmen zu überwachen. Es wird vermutet, dass durch diese Methode vermehrt größere männliche Exemplare gefangen werden. Dies birgt die Gefahr, dass weniger Konkurrenzdruck auf Jungtiere ausgeübt wird und diese somit zu einer dichteren Population heranwachsen können. Damit auch jüngere Exemplare gefangen werden können, ist das Ausbringen von mehreren Reusentypen mit unterschiedlichen Netzgrößen ratsam.

Temporäre Trockenlegung von Stillgewässern

Das Ablassen von kleineren Gewässern erleichtert die Entnahme der Tiere. Die Trockenlegung sollte über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben, da die nachtaktive Art trockenere Perioden in selbstgegrabenen Erdhöhlen überdauert. Die Auswirkungen auf Nicht-Zielarten sind groß und die Methode wird nicht an ökologisch wertvollen Gewässern empfohlen. Durch den Aufbau von Barrieren (ähnlich einem Amphibienzaun) kann eine Abwanderung der Tiere aus dem Gewässer während der Durchführung der Maßnahme verhindert werden. Eine Wiederbesiedlung aus der Umgebung muss ausgeschlossen werden. Diese Maßnahme ist nur in besonders begründeten Einzelfällen nach sorgfältiger Abklärung durch eine Fachkraft und bei Vorliegen der erforderlichen behördlichen Bewilligungen vertretbar.

Elektrofischen

Flusskrebse reagieren auf das produzierte Stromfeld, häufig werfen die Tiere dabei (als Folge der Muskelkontraktionen) die Scheren ab. Während die bewilligungspflichtige Methode zum Nachweis der Tiere geeignet erscheint, ist sie als Managementmaßnahme weniger gut geeignet. Zudem ist die Methode in tiefen oder turbulenten Gewässern sowie bei ausreichend Versteckmöglichkeiten und auch für Jungtiere weniger effizient und wird hier nicht empfohlen.

Einsatz von Krebssperren

Die Isolation oder Abgrenzung von Vorkommen gebietsfremder Flusskrebse kann eine Ausbreitung und Besiedlung neuer Lebensräume verhindern, muss aber in Einklang mit der Aufrechterhaltung der ökologischen Kontinuität des Gewässers gebracht werden. Man unterscheidet zwischen Vollsperren und fischpassierbaren Krebssperren. Fischpassierbare Sperren sind Verengungen des Abflussquerschnitts, die aus einer glatten Oberfläche (z. B. Edelstahl) bestehen. In Kombination mit der dadurch erzeugten hohen Strömungsgeschwindigkeit können Krebse diese Gewässerabschnitte nicht überklettern und durchschwimmen. Der Einsatz dieser Sperren ist vor allem an Bauwerken sinnvoll, wo die Abflussmenge regelbar und konstant ist. Der Aufbau auf bestehenden Strukturen ist kostengünstiger. Vollsperren verhindern das Passieren aller Organismen mit möglichen negativen Auswirkungen auf Nicht-Zielarten (Fische, evtl. Makrozoobenthos). Vertikale, evtl. oben überhängende Strukturen aus glattem Material, ab ca. 30 cm Höhe, können von Krebsen (und auch von den meisten anderen Arten) nicht passiert bzw. überklettert werden. Wanderungen über Land entlang der Gewässer können durch den Einsatz von Leitkonstruktionen oder Barrieren, die die Tiere wieder in das Unterwasser der Sperren zurückleiten, verhindert werden. Es wird empfohlen, zwei Sperren hintereinander zu platzieren. Eine regelmäßige Wartung und Kontrolle der Funktionalität der Sperren ist dringend empfohlen.

Pufferzonen

Die Erhaltung von Krebspestfreien „Quarantänezonen" zwischen bekannten Vorkommen heimischer und gebietsfremder Arten durch einzelne oder mehrere der Maßnahmen könnte bei kleineren Gewässern in einzelnen Fällen möglich und sinnvoll sein.

Forschung und Überwachung

Untersuchungen der Auswirkungen der Entnahme auf die Populationsdynamik sind notwendig, um den gegenteiligen Effekt einer Stärkung der einzelnen Populationen und somit einer weiteren Ausbreitung zu vermeiden. Die Möglichkeiten des Lebendfanges mit Hilfe von Pheromonen sind noch kaum erforscht. Mit Hilfe von Pheromonen geschlechtsreifer Weibchen werden Männchen in Reusen gelockt. Es wird aber vermutet, dass diese Methode nur in kleineren Gewässern bzw. zur Paarungszeit wirksam ist. Die Entwicklung und Optimierung von eDNA-Methoden zur Identifikation von Vorkommen in Gewässern ist voranzutreiben.

Öffentlichkeitsarbeit

Maßnahmen zur Aufklärung der Folgen einer Ausbringung in die Natur auf lokaler und regionaler Ebene sind von großer Bedeutung. Diese Maßnahmen betreffen insbesondere relevante Nutzergruppen (Aquaristik, Gewässerbewirtschaftung, Teichbesitzer, Fischzüchter) und gelten gleichermaßen für alle aus Nordamerika eingeführten Flusskrebsarten. Zudem sollte die gezielte Aufklärung bei Berufs- und Angelfischern bezüglich der Entnahme und Meldung der Art sowie der Nutzung als Tierfutter oder in der Gastronomie erfolgen. 

Verwechselungsmöglichkeiten

Der Amerikanische Signalkrebs ist mit den heimischen Krebsarten Edelkrebs und Steinkrebs zu verwechseln. Beiden heimischen Arten fehlt jedoch der helle Fleck am Scherengelenk, der dem Signalkrebs seinen Namen gegeben hat.

Edelkrebs
Edelkrebs© GettyImages.at/Eva-Foreman
Amerikanischer Signalkrebs
Amerikanischer Signalkrebs© GettyImages.at/shellhawker
Steinkrebs
Steinkrebs© GettyImages.at/corridor91

Weitere Informationen

Die Nutzung der gefangenen Tiere als Tierfutter bzw. in der Gastronomie im privaten Bereich ist prinzipiell möglich und erwünscht. Der kommerzielle Fang und Verkauf der Tiere ist nur bei dichten Beständen oder regelmäßigen Massenentwicklungen lohnend und in Österreich vermutlich nur lokal bzw. regional wirtschaftlich sinnvoll.

Literatur

CHUCHOLL, C. & DÜMPELMANN, C. (2017): Erstellung einer Expertise zu Krebssperren und alternativen Schutzmaßnahmen für den Steinkrebs. Sondergutachten 2017. Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie, Gießen: 40 S.

FRINGS, R. M. et al. (2013): A fish-passable barrier to stop the invasion of non-indigenous crayfish. Biol. Conserv. 159: 521 - 529.

SCHEIBNER, C. et al. (2015): Naturschutzfachliche Managementempfehlungen. Pacifastacus leniusculus - Signalkrebs. In: BfN (Hrsg.) Management-Handbuch zum Umgang mit gebietsfremden Arten in Deutschland. Band 2: Wirbellose Tiere und Wirbeltiere. Naturschutz und Biologische Vielfalt 141(2): 240 - 248.

STUCKI, P. & Zaugg, B. (2011): Aktionsplan Flusskrebse Schweiz. Artenförderung von Edelkrebs, Dohlenkrebs und Steinkrebs. Bundesamt für Umwelt, Bern. Umwelt-Vollzug Nr. 1104: 61 S.

VAESZEN, S. (2010): Untersuchungen zur Überwindbarkeit von fischpassierbaren Barrieren durch Signalkrebse. Hausarbeit, Technische Hochschule Aachen: 102 S.

Letzte Aktualisierung

11.05.2020

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